Naturschutz

Artenschutz durch landesweiten Biotopverbund

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l.) und Sozialministerin Katrin Altpeter (r.) bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag (17. April 2012) im Landtag in Stuttgart

„Die Landesregierung nimmt den Naturschutz sehr ernst. Wir wollen erhalten, was uns erhält. Dem dient ein landesweiter Biotopverbund für Baden-Württemberg. Ziel des heute vorgelegten Konzeptes ist es, Biotopverbundstrukturen bei allen flächenbeanspruchenden Planungen zu berücksichtigen. Nur so ist eine Entwicklung, die sich der Nachhaltigkeit und dem Artenschutz verschrieben hat, in der Fläche möglich“, erklärten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der für Naturschutz zuständige Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, in Stuttgart vor der Landespressekonferenz.

Durch die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft stelle sich für viele Arten das Problem der „Verinselung“ ihrer Lebensräume - durch Straßen oder Gebäude isoliert von den Artgenossen finde der genetische Austausch nicht mehr statt, das Risiko des Artensterbens steige, erläuterte Bonde. Durch die Vernetzung der Lebensräume der jeweiligen Arten, beispielsweise durch sogenannte Trittsteinbiotope, die eine Verbindung von einem Lebensraum zum nächsten bilden, werde der Artenaustausch sichergestellt.

„Mit dem heute vorgelegten landesweiten Biotopverbund sollen funktionsfähige ökologische Wechselbeziehungen in der Landschaft bewahrt, wiederhergestellt oder entwickelt und damit heimische Arten, Artengemeinschaften und ihre Lebensräume gesichert werden. Das Konzept veranschaulicht anhand von Kartenmaterial Räume für wichtige Maßnahmen im Naturschutz.“

Die Karten zum Biotopverbund enthielten Angaben zu den bestehenden Biotopen und legten dar, wie diese verbunden werden können. Regionalverbände, Kommunen oder die Straßenverkehrsverwaltung erhielten hier wertvolle Hinweise für ihre weiteren Planungen.

Bundesweit herausragendes Projekt

Die Realisierung eines Biotopverbunds ist auch Gegenstand des Koalitionsvertrags der grün-roten Landesregierung. „Nachdem mit dem Generalwildwegeplan ein erster Baustein für die waldgebundenen Arten seit 2010 vorliegt, haben wir jetzt die fachliche Grundlage auch für das so genannte Offenland geschaffen. Dies hat in dieser Qualität bislang kein anderes Bundesland“, betonte Naturschutzminister Bonde. Offenland stehe für alles, was nicht Wald und Wasser sei. Der Generalwildwegeplan sei in den Biotopverbund eingebunden.

Besondere Verantwortung auch als Transitland für Tierarten

„Wir haben eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt - gerade vor dem Hintergrund des von Menschen verursachten Klimawandels. Baden-Württemberg ist auch für viele Tierarten Transitland. Wir müssen diesen die Wanderung in neue Lebensräume ermöglichen und Verbundräume schaffen“, betonten Kretschmann und Bonde. Dies gelte beispielsweise für Gewinner des Klimawandels, wie die Gottesanbeterin oder die Gelbbindige Furchenbiene. Seiner Verantwortung wolle Baden-Württemberg auch länderübergreifend gerecht werden. Die Einbeziehung von Daten aus der Schweiz, Österreich, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern in das länderübergreifende Biotopverbund-Konzept trage dem Rechnung.

Gemeinsames Wirken mit vielen Partnern zum Erhalt der Artenvielfalt

„Wir wollen auch in der Frage des Artenschutzes eng mit den Regionalverbänden und Kommunen zusammenarbeiten und gemeinsam an die Umsetzung des Konzepts gehen. Artenschutz passiert und funktioniert vor Ort. Wir stellen das Know-how unseres Hauses zur Verfügung und sind sicher, dass die lokalen Akteure dieses nutzen werden“, betonte Bonde. Es gebe schon viele gute Ansätze in vielen vorausschauenden Gemeinden.

Das Konzept ist rechtlich nicht verbindlich. Umsetzen will Minister Bonde das Biotopverbundkonzept beispielsweise durch langfristige vertragliche Vereinbarungen mit Grundstückseigentümern oder -pächtern, über Landesprogramme oder durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen des kommunalen und des naturschutzrechtlichen Ökokontos. Dabei geht es nicht um die Einrichtung neuer Schutzgebiete. Im Vordergrund steht die Berücksichtigung des Verbundaspektes bei allen anfallenden Naturschutzmaßnahmen einerseits und die Eingriffsminimierung und -vermeidung andererseits. Die Umsetzung des Biotopverbunds soll in der derzeit erarbeiteten Naturschutzstrategie des Landes finanziell unterlegt werden.

Biotopverbund fest verankert in Naturschutzstrategie

Ministerpräsident Kretschmann wies auf die derzeit laufenden Arbeiten an der weiterentwickelten Naturschutzstrategie hin. Diese werde auf der Basis der internationalen und nationalen Richtlinien, Vereinbarungen und Strategien zur biologischen Vielfalt sowie des Koalitionsvertrages abschließend abgestimmt und noch im Sommer 2012 im Ministerrat diskutiert und beschlossen. „Auch in der Naturschutzstrategie ist die Umsetzung landesweiter Biotopverbundstrukturen eine unserer Schwerpunktaufgaben für die Naturschutzpolitik der nächsten Jahre“, so der Ministerpräsident abschließend.

Die Karten zum Biotopverbund stehen ab Juni im Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) zur Verfügung.
Mehr Informationen zum Biotopverbund finden Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de.

Quelle:

Staatsministerium Baden-Württemberg

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