Pressemitteilung

Schule
  • 22.11.2016

Neues Realschulkonzept auf den Weg gebracht

Ein Lehrer erklärt Schülern ein Experiment im Physikunterricht (Bild: © Ministerium für Kultus, Jugend und Sport BW).

Die Landesregierung hat ein neues Realschulkonzept auf den Weg gebracht. Die Realschulen sollen flexibler als bisher auf die Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Schülerschaft reagieren können. So sollen die Realschulen etwa künftig in mehr Fächern leistungsdifferenzierte Klassen und Gruppen bilden können.

Der Ministerrat hat einen Gesetzentwurf des Kultusministeriums für die Weiterentwicklung der Realschule zur Anhörung freigegeben. „Die Realschule ist eine der tragenden Säulen unseres Schulsystems. Ihre Leistungen erkennen wir an und wir werden sie noch stärker als bis-her unterstützen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Kultusministerin Susanne Eisenmann ergänzte: „Die Realschulen sind eine bewährte Schulart in Baden-Württemberg mit einem eigenen, besonderen Profil. Mit dem neuen Konzept unterstützen wir die Realschulen, sich für die Zukunft stark aufzustellen. Das Ziel ist mehr Leistung und Qualität.“ Das neue Konzept ermögliche den Realschulen, flexibler als bisher auf die Herausforderungen ei-ner zunehmend heterogenen Schülerschaft zu reagieren.

Realschule bleibt eine leistungsstarke Schule

Das neue Konzept sieht vor, dass sich die Notengebung in der Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6 künftig ausschließlich am mittleren Niveau ausrichtet, das zum Realschulabschluss führt. „Damit bleibt die Realschule eine leistungsstarke Schule, deren vorrangiges Ziel es ist, die Schülerinnen und Schüler zum Realschulabschluss zu führen“, betonte Kultusministerin Eisenmann.

Nach der Orientierungsstufe führen die Realschulen entsprechend der Leistungsfähigkeit der Schüler gezielt zum Hauptschul- beziehungsweise Realschulabschluss. Statt wie bisher leistungsstärkere und leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler in einer Klasse gemeinsam zu unterrichten und zu fördern (binnendifferenziert), soll es den Schulen künftig möglich sein, leistungsdifferenzierte Gruppen oder Klassen zu bilden. Mindestens in den Fächern Deutsch, Mathematik, Pflichtfremdsprache und in den Naturwissenschaften sollen die Realschulen im Rahmen der zur Verfügung stehenden Poolstunden leistungsdifferenziert unterrichten. Die Möglichkeit zu einer zeitweiligen Trennung bestand nur in den Fächern Deutsch, Mathematik und Eng-lisch und das nur in den Klassen 7 und 8. „Die Schulen haben künftig die Freiheit, entsprechend dem jeweiligen pädagogischen Konzept die Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler noch stärker an deren Stärken und Schwächen zu orientieren“, erläuterte die Kultusministerin. Das Konzept zur Stärkung der Realschulen sei ein wichtiger Beitrag, um die Qualität dieser Schulart weiterzuentwickeln.

Um diese Leistungsdifferenzierung umsetzen zu können, soll die Zahl der Poolstunden bis zum Schuljahr 2020/21 von derzeit acht stufenweise auf 20 Stunden je Zug erhöht werden.

Die Gesetzesänderung soll zum Schuljahr 2017/2018 in Kraft treten.

Das neue Realschulkonzept

Die Realschule ist eine bewährte und erfolgreiche Schulart. Jedoch stehen insbesondere die Realschulen vor der Herausforderung einer immer heterogeneren Schülerschaft. Im vergangenen Schuljahr hatten circa 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den fünften Klassen der Realschulen eine Empfehlung für diese Schulart, circa 21 Prozent hatten eine Empfehlung für das Gymnasium, circa 24 Prozent kamen mit einer Empfehlung für die Haupt-/Werkrealschule. Die steigende Heterogenität und das geänderte Schulwahlverhalten machen deutlich, dass eine Weiterentwicklung erforderlich ist.

Die Orientierungsstufe in den Klassen 5 und 6

Das neue Konzept sieht in den Klassen 5 und 6 vor, dass sich der Unterricht und die Noten am mittleren Niveau – dem sogenannten Realschulniveau – orientieren. Für leistungsschwächere Schüler kann eine zusätzliche Förderung angeboten werden. Es wird noch nicht zwischen Hauptschul- und Realschulniveau unterschieden.

Am Ende von Klasse 5 gibt es weiterhin kein Wiederholen. Erst zum Ende der Klasse 6 wird anhand der Noten entschieden, ob der Schüler nach der Orientierungsstufe auf dem Hauptschul- oder dem Realschulniveau weiterlernt.

Der Unterricht in den Klassen 7 bis 10

In diesen Klassen kann nach grundlegendem Niveau – also dem Hauptschulniveau – und dem mittleren Niveau – dem Realschulniveau – getrennt unterrichtet werden. Dies ist in Gruppen innerhalb der Klassen oder in getrennten Klassen möglich.

Die leistungsdifferenzierten Gruppen ab Klasse 7 werden mit dem zur Verfügung stehenden Personal ohne formale Schranken ermöglicht.

Am Ende der Klassen 7 und 8 wird anhand der Noten entschieden, ob der Schüler auf dem Hauptschulniveau oder dem Realschulniveau weiterlernt. Ein Wechsel ist auch zum Halbjahr möglich. Gegen den Willen des Schülers wird dieser aber nur zum Schuljahresende vollzogen.

Abschlüsse in den Klassen 9 und 10

In diesen Klassen findet eine zielgerichtete Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss beziehungsweise den Realschulabschluss statt. Die Hauptschulabschlussprüfung kann am Ende von Klasse 9, die Realschulabschlussprüfung am Ende von Klasse 10 abgelegt werden. Auch in diesen Klassen ist eine Trennung nach dem Lern- und Leistungsniveau möglich, dies entweder wieder in Gruppen oder auch in Klassen.

Noten und Zeugnisse

Es gibt generell von Klasse 5 bis Klasse 10 Noten. Es gibt Halbjahresinformationen beziehungsweise das Halbjahreszeugnis in Klasse 10 und Zeugnisse am Ende je-des Schuljahres. 

Zusätzliche Poolstunden

Die Erhöhung auf 20 Poolstunden je Zug bis zum Ende der Legislaturperiode gibt den Realschulen deutlich mehr Möglichkeiten, die Schüler leistungsdifferenziert zu fördern und erfolgreich zu einem Schulabschluss zu führen. Der Ausbau verhindert auch ein generelles Absenken des Niveaus der Realschule durch Anpassen des Unterrichts an die leistungsschwächeren Schüler und trägt damit zur Unterrichtsqualität bei.

Im Schuljahr 2016/2017 erhalten die Realschulen acht Poolstunden je Zug. Diese Zahl soll vom Schuljahr 2017/2018 (plus fünf auf 13 Poolstunden) bis zum Schuljahr 2020/2021 stufenweise auf 20 Poolstunden ansteigen. Verwendet werden sollen die zusätzlichen Stunden für die Umsetzung des neuen Konzepts in Klasse 7, der Differenzierung in Klasse 8 sowie für die gezielte Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen in den Klassen 9 und 10. Berechnet auf die derzeit 429 öffentlichen Realschulen im Land entspricht der Anstieg der Poolstunden insgesamt 618 Lehrerdeputaten. Die Gesamtkosten für das Land Baden-Württemberg bis zum Schuljahr 2020/2021 werden auf circa 42,9 Millionen Euro veranschlagt. 


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