Europa

Land begrüßt neues Abkommen zwischen EU und Schweiz

Die Schweiz und die Europäische Union haben sich auf eine neue Grundlage für ihre bilateralen Beziehungen geeinigt. Baden-Württemberg hatte sich zuvor intensiv als Brückenbauer und Vermittler eingesetzt.

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Die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd (rechts) schüttelt der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (links), nach einer Pressekonferenz die Hand.
Die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd (rechts) und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (links), in Bern

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Europastaatssekretär Florian Hassler begrüßen die Bekanntgabe des Schweizer Bundesrats zur Einigung auf ein neues Vertragspaket, das die Beziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und der Schweiz weiterentwickelt. „Ich freue mich sehr, dass die Bemühungen der Landesregierung, Brücken zwischen Bern und Brüssel zu bauen, erfolgreich sind“, so der Ministerpräsident. Damit gebe es eine echte Chance auf spürbare Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz und in der EU. Davon könne insbesondere auch Baden-Württemberg als direkter Nachbar profitieren: „Die Schweiz ist einer unserer wichtigsten Handelspartner und wir unterhalten viele Kooperationen bei Zukunftsthemen, etwa der Digitalisierung, im Energiebereich oder der Gesundheitswirtschaft. Und der Schlüssel dieser engen Zusammenarbeit sind die bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz.“ 

Zahlreiche Gespräche mit der EU und der Schweiz

Nach dem Scheitern des institutionellen Rahmenabkommens im Jahr 2021 habe er in Brüssel intensiv dafür geworben, die Gespräche mit der Schweiz fortzuführen, so Kretschmann. Und auch in der Schweiz habe er sich immer wieder dafür eingesetzt, dass die Verhandlungen mit einem veränderten Ansatz wiederaufgenommen werden. Die Landesregierung hatte nach dem Scheitern des Abkommens unter anderem zahlreiche Veranstaltungen und Gespräche mit den EU-Institutionen, dem Schweizer Bundesrat und den Schweizer Kantonen durchgeführt. Einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen leisteten zudem auch zwei Schreiben der EU-Anrainerregionen entlang der Grenze gemeinsam mit den Schweizer Kantonen, die an die EU-Kommission und die Schweizer Regierung gerichtet waren und von Baden-Württemberg initiiert wurden. 

Forschungsstandort Europa wird gestärkt

Europastaatssekretär Florian Hassler sieht in der verbesserten Vertragsgrundlage für die bilateralen Beziehungen einen Gewinn für Baden-Württemberg, die Schweiz und die EU, wie er betont: „Die gefundene Einigung stellt die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz wieder auf eine stabile Grundlage. Die Regeln für die Beteiligung am Binnenmarkt bekommen das nötige Update. Davon profitieren alle Seiten.“ Mit dem nun bekannt gewordenen Verhandlungspaket werde die Teilnahme der Schweiz am EU-Binnenmarkt verbessert, da die rechtlichen Standards angeglichen werden sollen und eine Regelung für die Beilegung von Streitigkeiten gefunden wird. Die vereinbarten bilateralen Abkommen zu den Themen Strom, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit würden konkrete Vorteile für die Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz und in der EU bringen. Die Zusammenarbeit entlang der über 300 Kilometer langen gemeinsamen Grenze der Schweiz mit Baden-Württemberg sei sehr eng, facettenreich und überaus erfolgreich, so Hassler: „Die Einigung auf ein bilaterales Abkommen zwischen der EU und der Schweiz ist von enormer Bedeutung für diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die damit auch in Zukunft ein starkes Fundament hat.“

Im Zuge der Vereinbarung kann die Schweiz künftig auch wieder ohne Einschränkungen an den EU-Programmen wie dem Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa teilnehmen, zuletzt war die exzellente Forschungszusammenarbeit aufgrund der fehlenden Rechtsgrundlage deutlich erschwert. Auch diese Entwicklung begrüßt Ministerpräsident Kretschmann: „Dies stärkt den Forschungsstandort Europa und ist gerade für unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land eine gute Nachricht, die sehr eng mit Partnern in der Schweizer Hochschulen kooperieren.“

Schweiz ist einer der wichtigsten Handelspartner Baden-Württembergs

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, bezeichnete den am 20. Dezember 2024 verkündeten Verhandlungsabschluss zwischen der EU und der Schweiz als „wichtigen Schritt“, dem nun zügig weitere folgen müssten. Hoffmeister-Kraut: „Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze hoffe ich auf eine schnelle innenpolitische Zustimmung in der Schweiz.“

Die Ministerin wies darauf hin, dass die Schweiz einer der wichtigsten Handelspartner Baden-Württembergs sei und umgekehrt. „Besonders der grenzüberschreitende Dienstleistungsbereich kann von einer Übereinkunft der Schweiz mit der EU profitieren. Dienstleistungen haben heute einen Anteil von mehr als einem Drittel am Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Deutschland“, so Hoffmeister-Kraut. „Auch der Abbau administrativer Hürden bei der Entsendung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Schweiz kann im Zuge der Realisierung des Verhandlungsabschlusses vorankommen“, so die Ministerin.

Für den baden-württembergischen Arbeitsmarkt bringen langfristig rechtssichere Verhältnisse ebenfalls Vorteile, ist Hoffmeister-Kraut überzeugt: „ Die Grenzgänger spielen gerade in den südbadischen Räumen eine zentrale Rolle für den Arbeitsmarkt und sind mit verantwortlich für die oftmals sehr niedrige Arbeitslosenquote, die diese Räume im Vergleich zu anderen süddeutschen Regionen aufweisen. Umgekehrt sind unsere Arbeits- und Fachkräfte von enormer Bedeutung für Schweizer Unternehmen. Gerade der Wirtschaftsraum Basel profitiert erheblich von gut ausgebildeten deutschen Grenzpendlern“.

Es sei, so die Ministerin, unumgänglich, die bestehenden bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz entlang des Verhandlungsabschlusses zu aktualisieren, notwendige neue Abkommen wie etwa im Strombereich zu schließen sowie bestehende Handelshemmnisse abzubauen. Mit diesem Ziel habe sich Baden-Württemberg als direktes Nachbarland der Schweiz in den letzten Jahren in vielfältiger Weise für Fortschritte im Verhältnis zwischen der EU und der Schweiz engagiert. „Das bleibt mein Ziel auch in 2025“, betonte die Ministerin abschließend.

Handelsbeziehungen zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz

Gemäß den Zahlen des Statistischen Landesamtes beliefen sich die Exporte von Baden-Württemberg in die Schweiz im Jahr 2023 auf Waren im Wert von 18,36 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Exporte um 11,8 Prozent zurück. Die Schweiz liegt auf dem 4. Rang der wichtigsten Exportländer Baden-Württembergs.

Wichtigste Exportgüter sind pharmazeutische und ähnliche Produkte, Maschinen sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile.

Importiert wurden im Jahr 2023 Waren im Wert von 17,66 Milliarden Euro. Auch die Importe gingen im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zurück. Die Schweiz belegt dennoch den dritten Platz in der Importstatistik Baden-Württembergs. Wichtigste Importgüter sind pharmazeutische und ähnliche Produkte, Metalle, Maschinen sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile.

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