Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Prof. Dr. Hubert Klausmann die Staufermedaille in Gold zuerkannt. Klausmann war zuletzt bis zu seinem Ruhestand Professor für volkskundliche Dialektologie an der Universität Tübingen. Er setzt sich insbesondere für die Dokumentation, Erforschung und Pflege der Dialekte ein. Sein besonderes Forschungsinteresse gilt den Dialekten Südwestdeutschlands.
Professor Dr. Hubert Klausmann ist der Sprachforscher, wenn es um Dialekt in Baden-Württemberg geht. Er „schaut den Menschen im Land aufs Maul“ und sammelt, dokumentiert und wertet seit Jahrzehnten aus, wo und wie im Land „gschwätzt“ wird.
„Professor Dr. Hubert Klausmann ist der Sprachforscher, wenn es um Dialekt in Baden-Württemberg geht. Er ‚schaut den Menschen im Land aufs Maul‘ und sammelt, dokumentiert und wertet seit Jahrzehnten aus, wo und wie im Land ‚gschwätzt‘ wird. Er hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die sprachliche Vielfalt und Originalität bei uns in Baden-Württemberg zu dokumentieren. Prof. Klausmann kann hervorragend erklären, wie wir sprechen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann am 18. März 2026 in der Villa Reitzenstein. Dabei habe Prof. Klausmann immer wieder deutlich gemacht: Dialekt oder regional eingefärbt zu sprechen, sei völlig normal. Vor allem das Alemannische in Baden-Württemberg, in Vorarlberg, Liechtenstein und Bayern, später dann die bis dahin weniger erforschten vor allem fränkischen Dialekte im Norden Baden-Württembergs, aber auch die Familiennamen im Land hätten sein großes wissenschaftliches Interesse geweckt. Er habe dazu umfangreich publiziert und Vorträge gehalten. Hervorzuheben sei der von der Tübinger Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ online veröffentlichte „Sprechende Sprachatlas von Baden-Württemberg“. Der Ministerpräsident betonte: „Durch seine Art, Menschen mitzunehmen und für sein Fach zu begeistern, macht Prof. Klausmann Forschungsergebnisse einem breiten, nichtakademischen Publikum verständlich. Ich danke ihm von Herzen für sein herausragendes Engagement für Dialekte in Baden-Württemberg, für sein Mitwirken in unserer Dialektinitiative und im Beraterkreis Dialekt.“
Zur Person und zum beruflichen Werdegang
Prof. Klausmann ist in Breisach am Rhein aufgewachsen und hat an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Romanistik und Germanistik studiert. Bei einem Auslandsaufenthalt in Grenoble in den französischen Alpen wurde sein Interesse für Sprachwissenschaft und Sprachgeografie geweckt. Danach hat er sich mit den Breisgauer Mundarten, der Sprache seiner Heimatregion, auseinandergesetzt und darüber promoviert.
Von 1980 bis 2000 arbeitete Prof. Klausmann am Vorarlberger Sprachatlas mit. Parallel zu seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Lehrer für Deutsch und Französisch an einem Gymnasium in Ellwangen (1985 bis 2018) hat er sich an der Universität Bayreuth im Jahr 2000 habilitiert und wurde 2006 zum außerplanmäßigen Professor für Sprachwissenschaft ernannt. Ab 2009 war er in Teilabordnung am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen tätig, wo er fünf Jahre später zum außerplanmäßigen Professor für volkskundliche Dialektologie ernannt wurden. Dort war er wissenschaftlicher Leiter der Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft. Prof. Klausmann stellte im April 2025 zusammen mit dem Ministerpräsidenten die Dialektstrategie für Baden-Württemberg vor. Zudem ist er Mitglied im Beraterkreis Dialekt der Landesregierung.
„Neben seinem Hauptberuf galt seine Leidenschaft der Forschung und der Wissenschaft. Über Jahrzehnte ist er zwischen Schule und Universität gependelt. Dieses lange, große Doppel-Engagement verdient Respekt und Anerkennung!“, so Kretschmann.
Digitalisierung historischer Stimmaufnahmen aus dem Alltag
Mit dem Projekt „Sprachalltag II“ widmete sich Prof. Klausmann der Digitalisierung des Arno-Ruoff-Archivs. Das Archiv beherbergt weit über 1.000 historische Tonbandaufnahmen sowie deren Transkripte. Die Aufnahmen stammen aus den 1950er-Jahren und konservieren die Stimmen von Sprechenden aus über 500 Orten in Baden-Württemberg, in Bayerisch-Schwaben, Vorarlberg und Liechtenstein. Ziel war unter anderem die Online-Veröffentlichung der fünf Bände des Sprachatlasses sowie eines digitalen, „sprechenden“ Sprachatlasses von Baden-Württemberg. „Es ist faszinierend, dort nachzuhören oder nachzuschlagen, welche Ausdrücke und Wörter es bei uns im Land für ein und dieselbe Sache gibt“, unterstrich der Ministerpräsident. Darüber hinaus entstand eine Hörbuch-Publikation als dialektgesprochenes Zeitzeugnis.
















