Pressemitteilung

Bildung
  • 24.04.2018

Qualitätskonzept für das Bildungssystem im Land

  • Ich erklär’s dir: Zwei Schüler an der Heinrich-Schickardt-Schule in Bad Boll

Das Kabinett hat die Umsetzung des Qualitätskonzepts für das Bildungssystem Baden-Württemberg auf den Weg gebracht. Dazu werden zum Jahr 2019 zwei neue und eng miteinander verzahnte Institutionen eingerichtet. Gegründet werden das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und das Institut für Bildungsanalysen.

Das Kabinett hat die Umsetzung des Qualitätskonzepts für das Bildungssystem Baden-Württemberg auf den Weg gebracht. „Wir haben heute zentrale Veränderungen für eine qualitätsorientierte Entwicklung unseres Bildungssystems auf den Weg gebracht. Denn entscheidend für gute Schülerleistungen ist eine gute Unterrichtsqualität“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats. „Grundvoraussetzung dafür sind klar an der Qualität orientierte und effiziente Unterstützungsstrukturen für die Schulen.“ Dazu werde die Landesregierung zum Jahr 2019 zwei neue und eng miteinander verzahnte Institutionen einrichten.

Gegründet werden das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und das Institut für Bildungsanalysen. Bisherige Doppelstrukturen werden aufgelöst. Derzeit auf zahlreiche Behörden, Anstalten und Stiftungen verteilte Zuständigkeiten in den Bereichen Beratung, Lehrerfortbildung und Lehrerausbildung werden in den neuen Institutionen gebündelt. Ein wissenschaftlicher Beirat wird die Einrichtungen beraten und Leitlinien für eine wissenschaftlich fundierte Praxis der Institutionen vorgeben. 

Institut für Bildungsanalysen

„Eine Weiterentwicklung der Unterstützungssysteme, die den notwendigen Qualitätsprozess an den Schulen aktiv voranbringen, ist in Baden-Württemberg seit vielen Jahren überfällig. Die ernüchternden Ergebnisse der letzten Lernstandserhebungen und Schulleistungsvergleiche unterstreichen den akuten Handlungsbedarf“, betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann. Dass effiziente Strukturen Grundvoraussetzung für mehr Qualität an Schule und Unterricht seien, zeigten auch die Erfahrungen in anderen Bundesländern, so Eisenmann. In Baden-Württemberg gebe es bislang kein professionelles Bildungsmonitoring und keine datengestützte Schulentwicklung.

„Ohne gesicherte Ergebnisse zu Schülerleistungen und der Qualität von Unterricht wissen wir nicht, welche bildungspolitischen Vorgaben und pädagogischen Konzepte an welcher Stelle Sinn machen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. „Das neue Institut für Bildungsanalysen wird diese Lücke schließen und künftig ein systematisches Bildungsmonitoring aufbauen.“ Damit schaffe man die Grundlagen für eine datengestützte Qualitätsentwicklung auf allen Ebenen des Bildungssystems – vom Kultusministerium bis hin zur Schule. Ziel sei, dass Schulen und Schulaufsicht auf Grundlage einer soliden Datenbasis, wie beispielsweise den Ergebnissen von Lernstandserhebungen, arbeiten könnten. Die Kultusministerin: „Zentrale Lernstandserhebungen über alle Schularten hinweg machen Sinn und werden kommen. Wir müssen wissen: Wo steht ein Kind und wie können wir es individuell fördern.“ Außerdem sollen etwa Fortbildungs- und Unterrichtskonzepte künftig vor ihrem Einsatz auf ihre Wirksamkeit überprüft werden, so Eisenmann.

Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung

Die Zuständigkeiten innerhalb der Kultusverwaltung für die Beratung, Unterstützung und Fortbildung von Lehrern sind bislang stark zersplittert. Auch beklagen Experten eine unzureichende Qualität der Lehrerfortbildung. Künftig wird das neue Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung zentral gesteuerte Ausbildungs-, Fortbildungs- und Unterstützungskonzepte für mehr Qualität in Unterricht und Schule entwickeln. „Die zentralen Vorgaben des Zentrums stellen künftig sicher, dass wir landesweit Angebote in hoher und gleicher Qualität zur Verfügung stellen können“, sagte Ministerpräsident Kretschmann. Die dazu erforderliche wissenschaftliche Datengrundlage wird das Institut für Bildungsanalysen liefern. Die beiden Institute werden dazu eng verzahnt arbeiten. Regionale Einheiten des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung, sogenannte Regionalstellen, werden dabei die zentral entwickelten Konzepte und Unterstützungsangebote in die Fläche tragen.

Effiziente Verwaltung – Auflösung von Parallelstrukturen

„Gleichzeitig lösen wir Parallelstrukturen in der Kultusverwaltung auf und entwickeln Vorhandenes weiter, um es effizienter zu strukturieren. Dabei nutzen wir bereits vorhandene Personalressourcen und setzen rund 2.000 Beamtinnen und Beamte sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu ein. Es ändern sich die Strukturen, nicht die Mitarbeiter“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann.

Die aktuellen Fortbildungsaufgaben und Beratungsleistungen der Schulaufsicht (Fachberater Schulentwicklung, schulpsychologische Dienste etc.) gehen auf das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und seine Regionalstellen über. „Damit stärken wir die Regierungspräsidien und Staatlichen Schulämter in ihren originären Aufgaben, nämlich als Schulaufsichtsbehörden und bei der Steuerung der Unterrichtsversorgung“, so Eisenmann.

Weiterentwicklung der Lehrerbildung und Beratungsspezialisten

Die Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung und die Pädagogischen Fachseminare werden ebenfalls in den Regionalstellen zusammengeführt und neu strukturiert. „Außerdem wollen wir die zweite und dritte Phase der Lehrerbildung deutlich enger verzahnen, um Synergien besser nutzen zu können“, so die Kultusministerin. Die Seminare für Didaktik und Lehrerbildung werden künftig neben der schulartspezifischen Lehrerausbildung auch Fortbildungsaufgaben übernehmen. Dabei wolle man alle Seminarstandorte erhalten, so Eisenmann.

„Handlungsbedarf gibt es vor allem auch im Bereich der Lehrerbildung. Lehrkräfte, die in der Aus- und Fortbildung tätig sind, sollen künftig mit dem überwiegenden Anteil ihrer Arbeitszeit in der Aus- und Fortbildung eingesetzt und dazu standardisiert qualifiziert und zertifiziert werden. Wir brauchen hier letztlich ein neues Berufsbild“, sagte die Ministerin.

Als wichtige Dienstleistung für die Schulen wird an jeder Regionalstelle eine „Leitstelle pädagogische Unterstützung“ eingerichtet, die als Kontaktstelle für alle Anliegen von Schulen und Einzelpersonen dient. Die Kultusministerin: „Beratungsspezialisten, Fortbildner und multithematische Teams gewährleisten damit, dass alle zentral entwickelten Angebote regional aus einer Hand verfügbar sind.“

Die Beratungsleistungen der Schulpsychologischen Dienste werden unverändert an ihren bisherigen Standorten erbracht.

Weitere strukturelle Änderungen

In die Zuständigkeit des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung fallen künftig auch das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik und die Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater. Die Aufgaben der bisherigen Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen und des Landesinstituts für Schulentwicklung werden auf die beiden neuen Institutionen übergehen. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung kooperiert darüber hinaus systematisch mit weiteren Einrichtungen im Kultusbereich wie dem Landesmedienzentrum oder der Landesakademie für die musizierende Jugend.

Zentrale Qualitätssteuerung prioritär

Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung wird als Landesoberbehörde und das Institut für Bildungsanalysen als nicht rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts eingerichtet. Die Dienst- und Fachaufsicht sowie die Organisationshoheit über die beiden Einrichtungen liegen beim Kultusministerium. „Damit verzichten wir zu Gunsten einer zentralen Qualitätsteuerung bewusst auf eine rechtliche Eigenständigkeit der Institutionen. Mir geht es um eine zentrale und evidenzbasierte Entwicklung von qualitativ hochwertigen Angeboten. Der Status quo zeigt, dazu braucht es eine effizientere Steuerung und Erfolgskontrolle“, so die Kultusministerin.

Breite Expertise bei Entwicklung des Qualitätskonzeptes

„Entscheidend bei der Erarbeitung des Konzeptes war und ist, dass wir Betroffene miteinbeziehen", betonte Eisenmann. Der Prozess zur Erarbeitung und Umsetzung des Qualitätskonzeptes wird unter enger Mitwirkung von Expertinnen und Experten aus Schulpraxis und Schulverwaltung gestaltet und mitgetragen. Es sind insgesamt rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Ebenen der Schulverwaltung (Kultusministerium, Regierungspräsidien, Staatliche Schulämter), aus dem Landesinstitut für Schulentwicklung, der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung sowie aus Schulen in den zwölf Arbeits- und Projektgruppen vertreten.

Auch der wissenschaftliche Beirat begleitet bereits die Umsetzungsphase des Qualitätskonzeptes. Vorsitzender des Beirats ist Prof. Dr. Ulrich Trautwein (Universität Tübingen), weitere Mitglieder sind Prof. Dr. Anne Sliwka (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Reinhold Nickolaus (Universität Stuttgart) und Prof. Dr. Timo Leuders (Pädagogische Hochschule Freiburg).

Zeitplan

Die beiden neuen Institutionen sollen zum Jahr 2019 eingerichtet sein. In einem ersten Schritt wurden bis Ende 2017 die Zielstrukturen ausgearbeitet. Im ersten Halbjahr 2018 soll die interne Umsetzungsplanung abgeschlossen sein. Dazu hat das Kabinett heute das Kultusministerium mit der Ausarbeitung des rechtlichen Rahmens, der Finanzplanung, der Stellenstruktur sowie der Raum- und Ausstattungsplanung für die beiden Einrichtungen beauftragt. Im zweiten Halbjahr 2018 soll das Konzept konkret umgesetzt werden.


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