Pressemitteilung

Entwicklung
  • 28.12.2017

Erfolgreiche Hilfe vor Ort im Nordirak

Baden-Württemberg hat 2016 und 2017 für Projekte in der nordirakischen Provinz Dohuk fast drei Millionen Euro bereitgestellt. Die Landesprojekte schaffen eine Bleibeperspektive für Einheimische, irakische Binnenvertriebene und syrische Flüchtlinge im Nordirak. Baden-Württemberg wird die Projekte auch 2018 weiter fortführen.

„Über 360.000 Vertriebene leben in der Provinz Dohuk – in Camps, in aufgrund der Krise nicht fertig gestellten Rohbauten, in immer noch provisorischen Zeltunterkünften und bei Freunden und Bekannten. Trotz des Sieges über den sogenannten Islamischen Staat besteht die humanitäre Notlage im Nordirak fort. Nur mit Hilfe der internationalen humanitären Organisationen können die grundlegendsten Bedürfnisse erfüllt werden“, sagte Staatssekretärin Theresa Schopper.

Baden-Württemberg habe daher im Jahr 2016 und 2017 für Projekte in der nordirakischen Provinz Dohuk fast drei Millionen Euro bereitgestellt, um die humanitäre Situation vor Ort zu verbessern und neue Existenzmöglichkeiten zu schaffen. „Dieses Engagement werden wir 2018 weiterführen. Auch im neuen Jahr wollen wir mit unseren Projekten dazu beitragen, dass Einheimische, Binnenvertriebene und die Geflüchteten aus Syrien unterstützt werden, sodass sie für sich eine Zukunft in der Region sehen und nicht irgendwann aus Verzweiflung ihre Flucht fortsetzen“, so Schopper.

Neue Projekte in Dohuk gestartet

„2017 haben wir mit jeweils 400.000 Euro mit einem Solarprojekt zur Stromversorgung in einem Flüchtlingscamp und einem Existenzgründungsprojekt für Frauen deutliche Verbesserungen für die Menschen vor Ort auf den Weg gebracht“, sagte die Staatssekretärin. Beide Projekte werden in Zusammenarbeit mit der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg abgewickelt.

Seit April 2017 fördere die Landesregierung mit einem Projekt der Internationalen Gesellschaft für Migration die soziale Eingliederung von Frauen in einem Wirtschafts- und Sozialzentrum in Khanke in der Region Dohuk. 30 Frauen erhalten ein eigenes Einkommen durch die Existenzgründung als Teppichweberinnen. Weitere 60 Frauen werden in dem wieder errichteten Wirtschaftszentrum fortgebildet. „Das Zentrum wird nach Projektende im Juni 2018 selbständig von den Betroffenen betrieben und verwaltet. Wir schaffen also nachhaltige Strukturen“, betonte Theresa Schopper. Zusätzlich zum Markt gibt es weitere Einrichtungen, wie zum Beispiel Freizeit- und Betreuungsstätten für die Kinder oder auch Büros zur psychosozialen und rechtlichen Beratung.

Regenerative Stromversorgung Made in Baden-Württemberg

Zu einer gesicherten Stromversorgung und einer Qualifizierung von Geflüchteten beitragen wird das Solarprojekt im Flüchtlingscamp Mam Rashan bei Dohuk, das die gemeinnützige GmbH atmosfair im Auftrag des Landes von September 2017 bis April 2018 durchführt. In diesem Flüchtlingslager mit rund 8.500 Personen – überwiegend yezidischen Familien – gibt es zur Zeit keine gesicherte Stromversorgung. „Mit Hilfe des baden-württembergischen Projekts erhält das Camp eine unterbrechungsfreie Stromversorgung aus regenerativen Quellen mit baden-württembergischer Technologie“, so Schopper. Durch das Solarprojekt werde ein Fünftel des Spitzen-Strombedarfs abgedeckt. Im Rahmen des Projekts werden fünf Energie-Scouts, die die Bewohner beim Energiesparen beraten sollen, und 20 Campbewohner für die Installation und Wartung der Anlage geschult. „So werden sowohl Reparatur, Ausbau sowie der Aufbau weiterer Anlagen sichergestellt“, betonte Staatssekretärin Schopper.

Das Land Baden-Württemberg unterstützt auch kleinere Projekte in der Region Dohuk, die von überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Organisationen durchgeführt werden. So sollen ab 2018 beispielsweise vier Projekte mit je 25.000 Euro gefördert werden.

  • Ersthilfe für Rückkehrerinnen aus der IS-Gefangenschaft (Wadi e.V.): In jüngster Zeit sind 200 Mädchen und junge Frauen, die aus der IS-Gefangenschaft fliehen konnten, in Dohuk eingetroffen. Ihr psychischer und physischer Zustand ist sehr schlecht. Im Rahmen des Projektes sollen 125 dieser Mädchen stabilisiert werden. Sie bekommen soziale Beratung und emotionalen Beistand von erfahrenen Mitarbeiterinnen.
  • Geschützte Räume für traumatisierte Kinder und Jugendliche (KuKuk Kultur e.V.): „Spielplätze sind ein wichtiger Baustein im Rahmen der traumapädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, sagte Schopper. An einem staatlichen Waisenhaus in Dohuk solle daher ein Container als Spielraum aufgestellt werden, wo Kinder und Jugendliche fachgerecht betreut werden.
  • Kälberzucht als nachhaltiges Projekt der Nutztierhaltung (CAPNI): In dem abgelegenen Nahla-Tal nördlich von Dohuk sollen Familien beim Aufbau einer Kälberzucht unterstützt werden. „Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des aufgezogenen Viehs kommt wieder neuen Familien zugute“, betonte die Staatssekretärin.
  • Bildungskurse für Frauen und Kinder aus Flüchtlingscamps (Women For Better Healthy Life WFBHL): Alphabetisierungs-, Englisch und Computerkurse in einem Frauenzentrum in Dohuk bieten weiblichen Überlebenden der IS-Gefangenschaft neue Bildungsperspektiven.

Erfolgreich abgeschlossene Projekte

Zwei Projekte des Landes konnten inzwischen fertig gestellt werden. Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit hat das Landesprojekt zur Ertüchtigung der Mülltrennungsanlage Quashie, für das das Land 600.000 Euro eingesetzt hat, abgeschlossen. Die Mülltrennungsanlage konnte aufgrund der vielen Stromausfälle nur in zwei Schichten betrieben werden. „Das Land förderte die Anschaffung eines Generators, der die Erweiterung auf drei Schichten ermöglichte. Dadurch konnte die Anlafe deutlich mehr Material zu Kompost recyceln, der vor Ort verkauft werden konnte. So musste weniger Müll auf den Mülldeponien provisorisch gelagert werden“, so Staatssekretärin Theresa Schopper. „Seit Projektbeginn im Februar 2016 wurden in der Mülltrennungsanlage 85 neue Arbeitsplätze vor allem für weibliche, yezidische Binnenflüchtlinge geschaffen.“

Auch das Projekt von Caritas International zur Förderung des Schulbesuchs einheimischer und vertriebener Kinder in Dohuk, das das Land mit 100.000 Euro unterstützt hat, wurde im Juli 2017 abgeschlossen. „1.110 Kinder und Jugendliche in der Stadt Dohuk und in drei umliegenden Gemeinden konnten bis zum Schuljahresende im Juli eine Schule besuchen“, betonte Schopper. „Sie wurden von ihren oft außerhalb liegenden, häufig provisorischen Unterkünften in Schulen gefahren und mit Materialien unterstützt.“ Die Eltern der Kinder wurden zur Bedeutung des Schulbesuchs informiert, um vor allem auch Frühverheiratungen von Mädchen zu verhindern.

Studienstipendien am Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie in Dohuk

Zusätzlich zu diesen humanitären Projekten unterstützt das Staatsministerium die 28 Studierenden in Dohuk, die am vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit einer Million Euro geförderten Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie an der Universität Dohuk zu Therapeuten ausgebildet werden. Sie erhalten von März 2017 bis Dezember 2018 Stipendien in Höhe von 500 Euro pro Monat. Das Land stellt hierfür insgesamt 320.000 Euro bereit.


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