Demokratie-Monitor

Vertrauen in Demokratie in Baden-Württemberg hoch

Der Demokratie-Monitor 2025 zeigt, dass das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie in Baden-Württemberg weiterhin hoch ist. 97 Prozent der Befragten wünschen sich eine Fortsetzung der Politik des Gehörtwerdens.

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Diskussionen auf dem Kongress für Beteiligung (Bild: © Mario Wezel)
Symbolbild

Der Ministerrat hat sich am Dienstag, 4. November 2025, mit dem Demokratie-Monitor 2025 (PDF) der Universität Hohenheim befasst. In der Erhebung wurden über 2.500 Menschen in Baden-Württemberg zur Politik des Gehörtwerdens, zur dialogischen Bürgerbeteiligung und zur Demokratiezufriedenheit befragt. Demnach ist das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie in Baden-Württemberg überdurchschnittlich hoch. Rund zwei Drittel der Befragten sprechen sich für dialogische Bürgerbeteiligung aus. Zudem wünschen sich 97 Prozent eine Fortsetzung der Politik des Gehörtwerdens.

Es ist uns gelungen, einen neuen Politikstil im Land zu verankern. Nirgendwo sonst in der Republik können sich die Bürgerinnen und Bürger so intensiv einbringen und an der Politik beteiligen wie bei uns in Baden-Württemberg.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

„Nach den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 habe ich zu Beginn meiner Amtszeit die Politik des Gehörtwerdens im Land eingeführt. Mein Ziel war: Ein partizipativer Staat, der die Menschen einlädt und ermuntert, sich politisch einzubringen und selbst aktiv zu werden. Viele haben das damals belächelt. Heute nicht mehr. Denn es ist uns gelungen, einen neuen Politikstil im Land zu verankern. Nirgendwo sonst in der Republik können sich die Bürgerinnen und Bürger so intensiv einbringen und an der Politik beteiligen wie bei uns in Baden-Württemberg – zu Gesetzen und politischen Vorhaben, vom Klimaschutzprogramm über den Nichtraucherschutz bis zur Zukunft des Gymnasiums, online wie offline. Die Politik des Gehörtwerdens wirkt. Das wird längst auch über die Landesgrenzen hinaus gesehen und anerkannt. So findet unser baden-württembergisches Modell der dialogischen Bürgerbeteiligung inzwischen Nachahmer in Deutschland, in europäischen Nachbarländern und sogar auf Ebene der Europäischen Union (EU). Ich freue mich, dass sich dieser Weg, den wir seit 2011 konsequent beschreiten, in den Ergebnissen des Demokratie-Monitors niederschlägt“, führte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrates aus.

„Die hohe Zustimmung zur repräsentativen Demokratie widerspricht gängigen Vorstellungen einer gespaltenen Gesellschaft. Die stille Mehrheit wird aber zu wenig wahrgenommen. Dieses große Potential gilt es, anzusprechen und durch Beteiligung zu stärken“, so die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Barbara Bosch.

Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim sagte: „Die Idee der Politik des Gehörtwerdens findet über Parteigrenzen hinweg große Zustimmung. Sie entspricht der Präferenz der großen Mehrheit der Menschen: Politische Entscheidungen sollen von den Gewählten getroffen werden, aber vorher sollen sie einen ernstgemeinten Dialog führen.“

Große Mehrheit im Land für Bürgerbeteiligungsformate

In Baden-Württemberg wünschen sich 64 Prozent der Befragten, dass wichtige politische Entscheidungen auf Landesebene von gewählten Repräsentanten getroffen werden, wenn diese vorher die Menschen über Dialogformate einbezogen haben. Nur 9 Prozent finden, dass die Abgeordneten ohne Beteiligungsformate entscheiden sollten. 14 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass wichtige Entscheidungen per Volksabstimmung getroffen werden sollten, weitere 13 Prozent finden, dem sollte ein Dialogformat vorgeschaltet sein. Diese Haltung ist über fast alle Parteipräferenzen hinweg ähnlich ausgeprägt.

Die Idee hinter der Politik des Gehörtwerdens finden 84 Prozent eher gut oder sehr gut. Das sieht eine übergroße Mehrheit unabhängig von Parteineigungen so. 97 Prozent sind der Meinung, dass der Grundsatz der Politik des Gehörtwerdens auch von der nächsten Landesregierung praktiziert werden sollte. Auch dieser Wunsch ist über alle Parteipräferenzen hinweg extrem hoch.

Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie überdurchschnittlich hoch

Die Politik des Gehörtwerdens und die Beteiligungspolitik des Landes wirken sich laut Demokratie-Monitor offenbar positiv auf die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie aus. Seit dem Jahr 2021 lässt sich deutschlandweit ein Abwärtstrend in der Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Funktionieren der Demokratie auf Bundesebene feststellen. Diese ist deutschlandweit von 65 Prozent im Pandemie-Jahr 2021 auf 44 Prozent im Jahr 2025 abgerutscht – der bisher in der Studie tiefste gemessene Wert.

Die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie auf Landesebene bleibt von diesem Trend nicht verschont, wenngleich auf einem signifikant höheren Niveau. Während 2021 noch 74 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie auf Landesebene waren, lag dieser Wert 2025 bei 63 Prozent (minus elf Prozentpunkte). Dennoch liegen in Baden-Württemberg die Befragungsergebnisse aller Jahre stets deutlich über dem Durchschnitt aller Bundesländer. Lediglich 53 Prozent der Deutschen sind mit dem Funktionieren der Demokratie auf ihrer jeweiligen Landesebene zufrieden (2021: 66 Prozent, minus 13 Prozentpunkte). „Dass Baden-Württemberg ganze zehn Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller Bundesländer liegt, hat einen Grund in der Beteiligungspolitik des Landes. Gelungene Dialog-Verfahren steigern zudem das Vertrauen in die beteiligten politischen Institutionen“, so Brettschneider. Unangefochten bleibt die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie auf kommunaler Ebene am höchsten. 65 Prozent sind mit dem Funktionieren der Demokratie in den Kommunen in Baden-Württemberg zufrieden (2021: 70 Prozent, minus fünf Prozentpunkte).

„Wir haben in den letzten Jahren mit der Servicestelle Dialogische Bürgerbeteiligung, dem Gesetz zur Dialogischen Bürgerbeteiligung, dem Beteiligungsportal des Landes und den Bürgerforen bei wichtigen Gesetzgebungsverfahren die organisatorischen und rechtlichen Strukturen geschaffen, um den Nutzen der Bürgerbeteiligung allen – von der Kommune bis zu Landesbehörde – bereitzustellen“, ergänzte die Staatsrätin. Mit dem vom Land geförderten Verein „Allianz für Beteiligung“ stehen auch Beratung und Mittel für die Zivilgesellschaft bereit, damit auch diese aktiv werden kann. „Das alles macht uns zum Musterland einer lebendigen Bürgerbeteiligung“, so Bosch.

Dass Baden-Württemberg als Vorbild gilt, wurde auch bei der achten Demokratiekonferenz mit dem Kanton Aargau am 23./24. Oktober 2025 und einem Bund-Länder-Vernetzungstreffen zum Thema Bürgerbeteiligung in der Landesvertretung Berlin am 9. Oktober 2025 deutlich. Auch die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag zur Stärkung der repräsentativen Demokratie vereinbart, dialogische Beteiligungsformate wie Bürgerräte fortzusetzen. Die Initiative Handlungsfähiger Staat empfiehlt ebenfalls die Durchführung von Bürgerräten, um das Vertrauen in demokratische Prozesse zu festigen.

Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg

Die Landesregierung hat seit 2011 die Beteiligungsmöglichkeiten kontinuierlich ausgebaut und Beteiligung in Projekten angewandt. 2012 wurde die Allianz für Beteiligung gegründet. Mit deren Unterstützung und durch Förderung des Landes können Bürgerinnen und Bürger Projekte vor Ort mit Bürgerbeteiligung umsetzen. 2013 startete das Beteiligungsportal des Landes. In der laufenden Legislaturperiode gab es über 125 Gesetze, Vorhaben und Verordnungen, die dort online kommentiert werden konnten. Über 5.600 Beiträge wurden eingestellt, über 217.000-mal wurde diese von anderen Nutzern bewertet. 2014 verabschiedete die Landesregierung die Verwaltungsvorschrift Öffentlichkeitsbeteiligung und den Planungsleitfaden, die seitdem bei Infrastrukturplanungen des Landes angewandt werden. 2015 verabschiedete der Landtag die Reform der direkten Demokratie. Bürgerbegehren und Volksbegehren wurden anwendungsfreundlicher. 2021 schaffte der Landtag mit dem Gesetz über die Dialogische Bürgerbeteiligung die Rechtsgrundlage, um Menschen für Bürgerforen zufällig aus dem Melderegister ziehen und anschreiben zu können. 2023 gründete das Land die Servicestelle Dialogische Bürgerbeteiligung, die alle Behörden und Kommunen im Land berät. Über einen Rahmenvertrag können diese in kurzer Zeit Dienstleister für Beteiligungsverfahren finden.

Demokratie-Monitor

Der Demokratie-Monitor wird seit 2021 jährlich erhoben. Er misst in einem ersten Teil Einstellungen zu Aspekten der Demokratie, der Bürgerbeteiligung und der politischen Partizipation, politisches Interesse und Mediennutzung. Im zweiten Teil widmet sich der Demokratie-Monitor den Themen Populismus sowie Nostalgie, Lebensqualität und Pessimismus.

Die Befragungen wurden von forsa im Auftrag der Universität Hohenheim durchgeführt. Die Verantwortung für die Analyse liegt bei Prof. Dr. Frank Brettschneider.

Die Befragungen in Baden-Württemberg wurden mit Mitteln des Staatsministeriums gefördert.

Präsentation von Prof. Dr. Frank Brettschneider/Universität Hohenheim: Demokratie-Monitor 2025 Baden-Württemberg (PDF)

Universität Hohenheim: Demokratie-Monitoring (Ergebnisse seit 2021)

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