Klimawandel

Land schreibt Strategie zur Anpassung an den Klimawandel fort

Ein Thermometer zeigt fast 36 Grad Celsius an. (Bild: © Patrick Pleul / dpa)
Symbolbild

Um die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels zu bewältigen, werden neben den Anstrengungen im Klimaschutz auch Aktivitäten zur Klimaanpassung immer wichtiger. Die Landesregierung hat daher eine Fortschreibung der Strategie zur Klimawandelanpassung mit insgesamt elf Handlungsfeldern beschlossen.

Das Jahr 2022 war das wärmste Jahr in Baden-Württemberg seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden sich die Durchschnittstemperaturen auch bei ambitioniertem Klimaschutz weiter erhöhen. Um die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels zu bewältigen, werden Aktivitäten zur Klimaanpassung daher immer wichtiger. Die Landesregierung hat die Auswirkungen von Hitze, Trockenheit, Starkregen und anderen Extremereignissen sowie des Wandels natürlicher Lebensräume und Arten analysiert und daraus 102 Maßnahmen abgeleitet. Diese sollen Baden-Württemberg widerstandsfähig gegen die Folgen der Erderhitzung machen.

„Die wirksamste Maßnahme mit Blick auf den Klimawandel ist konsequenter Klimaschutz. Aber das alleine wird nicht reichen. Wir müssen Maßnahmen zur Anpassung ergreifen.“
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

„Die wirksamste Maßnahme mit Blick auf den Klimawandel ist konsequenter Klimaschutz. Aber das alleine wird nicht reichen. Wir müssen Maßnahmen zur Anpassung ergreifen. Klimaschutz erhöht zwar unseren Handlungsspielraum, aber mit den Folgen des nicht mehr vermeidbaren Temperaturanstiegs müssen wir trotzdem fertig werden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag, 25. Juli 2023, im Anschluss an den Ministerrat. „Wir brauchen Wälder, die mit längeren Trockenphasen klarkommen. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die auch bei anderen klimatischen Bedingungen gute Erträge liefert und eine Städteplanung, die die Bürgerinnen und Bürger vor Hitze schützt. Das muss alles Hand in Hand greifen. Anpassung an den Klimawandel ist ein Teil der Daseinsvorsorge.“

Elf Handlungsfelder

Die Anpassungsstrategie umfasst insgesamt elf Handlungsfelder: Boden, Gesundheit, Landwirtschaft, Naturschutz und Biodiversität, Stadt- und Raumplanung, Tourismus, Verkehr und Infrastruktur, Wald und Forstwirtschaft, Wasser, Wirtschaft und Energiewirtschaft sowie Bevölkerungsschutz. Die insgesamt 102 Maßnahmen adressieren somit verschiedene Bereiche, unter anderem den Umgang mit Hitze in urbanen Gebieten. Hier spielt neben einer klimaangepassten Stadtplanung die Aufstellung von Hitzeaktionsplänen eine große Rolle.

Ein weiterer Schwerpunkt der Anpassungsstrategie liegt auf der Ressource Wasser. Die aktuellen Prognosen bis 2050 zeigen, dass in manchen Teilen des Landes in Folge des Klimawandels bis zu 20 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet werden wird. Das Land baut daher noch in diesem Jahr ein Niedrigwasser-Informations-Zentrum bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) auf. Es wird erweiterte Prognosen zu drohender Wasserknappheit liefern und kleinräumige Wasserbilanzen erstellen. Verantwortliche vor Ort erfahren so früher, wenn sich ein Wassermangel abzeichnet. Frühzeitige Eingriffe wie die Beschränkung von Wasserentnahmen müssen weniger drastisch ausfallen.

Programm für mehr Lebensqualität

Bis 2025 unterzieht das Land zudem die öffentliche Wasserversorgung einem Klimacheck. Eine Abschätzung der Trinkwasserressourcen bis zum Jahr 2050 gibt den Kommunen fundierte Entscheidungsgrundlagen für Maßnahmen heute gegen drohenden Wassermangel in den kommenden Jahrzehnten. Umweltministerin Thekla Walker: „Mit der Anpassung an den Klimawandel ist es wie mit dem Kampf gegen die Erderhitzung: Je entschlossener, frühzeitiger und vorausschauender wir handeln, umso besser geht es uns in der Zukunft.“

Diesem Prinzip folgen auch die Maßnahmen des Landes gegen Hochwasser. Diese berücksichtigen, dass Niederschläge in den Wintermonaten vermehrt zu Überschwemmungen führen und Niederschläge im Sommer häufiger als Starkregen niedergehen. Allein 2023 investiert das Land rund 115 Millionen Euro für den Hochwasserschutz und die Gewässerökologie.

„Hochwasserschutz heißt vielerorts, Flüsse und Auen zu renaturieren. Anpassung an den Klimawandel schafft damit auch Erholungsräume für Menschen“, erläuterte Ministerin Walker. „Mit der Entsiegelung von Böden oder mehr Grün im urbanen Raum ist die Anpassungsstrategie ein Programm für mehr Lebensqualität.“

Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Die Anpassungsstrategie bildet den Rahmen der Anpassungsaktivitäten des Landes und dient als Umsetzungsgrundlage insbesondere für Verwaltung, Kommunen und Wirtschaft.

Baden-Württemberg hat im Jahr 2015 erstmals eine Klima-Anpassungsstrategie vorgelegt und darin Maßnahmen entwickelt, die zur Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel erforderlich sind. Gemäß dem Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg muss diese Strategie im Jahr 2023 fortgeschrieben werden. Das Umweltministerium hat die Fortschreibung der Anpassungsstrategie in den Jahren 2021 und 2022 mit Unterstützung des Kompetenzzentrums Klimawandel bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) koordiniert und sehr eng mit allen beteiligten Ressorts abgestimmt. Von März bis Mai 2023 wurde eine Verbändeanhörung durchgeführt und Bürgerinnen und Bürgern über das Beteiligungsportal des Landes die Gelegenheit gegeben, zum Entwurf der Anpassungsstrategie Stellung zu nehmen. Die eingegangenen Stellungnahmen und Kommentare wurden gesichtet, von den Ressorts geprüft und soweit erforderlich Änderungen eingearbeitet.

Im Jahr 2025 ist laut Klimaschutzgesetz ein Monitoringbericht über die wesentlichen Folgen des Klimawandels sowie über die Umsetzung und Wirkung wichtiger Anpassungsmaßnahmen einschließlich Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Strategie zu erstellen.

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Klimaschutz in Baden-Württemberg

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Anpassung an den Klimawandel

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Anpassungsstrategie Baden-Württemberg

Weitere Meldungen

Eine Frau greift nach einem Apfel aus dem Obst- und Gemüseregal eines Reformhauses. (Foto: © dpa)
  • Ernährung

Landesweite Ernährungstage 2024

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seiner Videobotschaft anlässlich des zweiten Jahrestags des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
  • Ukraine-Krieg

„Wir stehen fest an Ihrer Seite“

Hände von Personen und Unterlagen bei einer Besprechung an einem Tisch.
  • Entlastungsallianz

Erstes Entlastungspaket für Bürokratieabbau vorgelegt

Apfelbäume stehen auf einer Streuobstwiese (Foto: dpa)
  • Landwirtschaft

Internationale Fachmesse „Fruchtwelt Bodensee“

Umweltministerin Thekla Walker (Mitte) heißt neue Klimabündnis-Unternehmen willkommen. Mit dabei Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen (von links): Alexander Eckstein (Eugen Hackenschuh e. K.), Philipp Tiefenbach (Dorfbäckerei Tiefenbach), Stefan Lohnert (Landesmesse Stuttgart GmbH), Hans Jürgen Kalmbach (Hansgrohe SE), Dr. Hannes Spieth (Umwelttechnik BW GmbH), Jürgen Junker (Mott Mobile System GmbH & Co. KG), Diana Alam (HUGO BOSS AG) und Ina Borkenfeld (Heidelberg Materials AG)
  • Klimaschutz

Neun neue Unternehmen im Klimabündnis

Innenminister Strobl im Gespräch mit Generaldirektor Popowski
  • Bevölkerungsschutz

Strobl trifft Generaldirektor Maciej Popowski

Seillagenweinbau
  • Weinbau

Weinbranche zukunftsfähig weiterentwickeln

Im Energiepark Mainz ist der verdichtete grüne Wasserstoff aus einem Elektrolyseur in Tanks gelagert.
  • Wasserstoff

Land fördert regionale Wasserstoffkonzepte

Kernkraftwerk Philippsburg ohne Türme (Aufnahme vom 03.06.2020)
  • Kernkraft

Meldepflichtiges Ereignis im Kernkraftwerk Philippsburg

Auswärtige Kabinettssitzung in der Landesvertretung in Brüssel
  • Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 20. Februar 2024

Ein Mann hält in Stuttgart den Zapfhahn einer Wasserstofftankstelle an den Stutzen eines Wasserstoffautos.
  • Wasserstoffwirtschaft

Land fördert Wasserstoff­tankstellen in drei Gemeinden

Das beschauliche Dorf Hiltensweiler, ein Teilort von Tettnang, wird von der Abendsonne angestrahlt. Im Hintergrund sind der Bodensee und die Alpen zu sehen.
  • Ländlicher Raum

Positionspapier zur Weiterent­wicklung des EFRE überreicht

Ein Stempel mit der Aufschrift "Bürokratie" liegt auf Papieren.
  • Bürokratieabbau

Aufruf zur Meldung bürokratischer Belastungen

Ein Feldweg schlängelt sich durch eine hügelige Landschaft mit Feldern. Oben links im Bild ist das Logo des Strategiedialogs Landwirtschaft zu sehen.
  • Landwirtschaft

Arbeitsgruppen beim Strategiedialog Landwirtschaft

Baden-Württemberg und die Vereinigten Arabischen Emirate vereinbaren Zusammenarbeit in Energie- und Wirtschaftsfragen (von links): Energieministerin Thekla Walker, Minister für Industrie und Fortschrittstechnologien der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Dr. Sultan Ahmed al Jaber, und Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
  • Klimaschutz

Zusammenarbeit mit den Ver­einigten Arabischen Emiraten

  • Kultur

CO2-Rechner für Kultur­einrichtungen aktualisiert

Symbolbild: Ländlicher Raum. (Bild: Elke Lehnert / Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz)
  • Ländlicher Raum

Online-Konsultation zur künf­tigen Ausrichtung von EFRE

Podiumsdiskussion mit Staatssekretärin Dr. Ute Leidig in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel mit Leinwand im Hintergrund.
  • Integration

Integrationsmanagement in Brüssel vorgestellt

Brachebegrünung beim Winzerhof Vogel
  • Landwirtschaft

Ausnahme der Flächen­stilllegung rasch umsetzen

Innenminister Thomas Strobl (Mitte) beim Empfang für die Karnevals- und Fasnachtsvereine des Landes
  • Fastnacht

Empfang für Karnevals- und Fasnachtsvereine

Ein Ingenieur kontrolliert in einem Labor mit einem Mikroskop einen Chip zum Einsatz in einen Quantencomputer.
  • Forschung

Mikroorganismen als Helfer im Klimaschutz

Ein Rettungswagen fährt mit Blaulicht. (Foto: © dpa)
  • Notruf

Tag des Europäischen Notrufs 112

Züge der Regio S-Bahn Donau-Iller
  • Nahverkehr

Ausbau der Regio S-Bahn Donau-Iller

Ein Auszubildender im Handwerk arbeitet am an einer Berufsschule an einer Werkbank mit Holz.
  • HANDWERK

Land fördert Deutsches Handwerksinstitut

Portraits der vier ausgewählten Wissenschaftlerinnen des Margarete von Wrangell-Programms
  • Hochschulen

Vier Wrangell-Juniorprofessuren vergeben