Gesundheit

Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg gestartet

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seiner einführenden Rede

Beim Auftakt zum Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg haben sich die Beteiligten darauf verständigt, in einem strategischen Prozess mit Unterstützung der Landesregierung Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg auf ein höchstmögliches Niveau zu entwickeln.

„Die Gesundheitswirtschaft ist für den Standort Baden-Württemberg von entscheidender Bedeutung – von medizinischer Wissenschaft und Forschung über Entwicklung, Produktion und Vertrieb bis hin zur Bereitstellung von Versorgungs- und Rehabilitationsangeboten. In vielen Bereichen befinden wir uns auch im internationalen Vergleich an der Spitze. Wir stehen aber auch vor großen Veränderungen und Herausforderungen, die wir nur gemeinsam mit den Akteuren des Gesundheitssektors bewältigen können“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Auftaktveranstaltung zum Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg in Stuttgart. „Ich freue mich, dass wir diese heute zusammenbringen konnten und mit einer gemeinsamen Erklärung einen ersten großen Schritt getan haben, dort Spitze zu bleiben, wo wir es bereits sind und dort Spitze zu werden, wo wir noch Potential sehen“, betonte der Ministerpräsident.

Gesundheitswirtschaft entscheidende Zukunftsbranche

Auf Einladung des Ministerpräsidenten traten über 50 Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft in einen Dialog mit den im Land zuständigen Fachministern der Ressorts für Gesundheit, Wirtschaft und Wissenschaft. In einer gemeinsamen Abschlusserklärung wurden die diskutierten Herausforderungen festgehalten, die sich dem Gesundheitsstandort in allen Facetten einer sich wandelnden Wirtschaftswelt stellen. Die Beteiligten verständigten sich darauf, in einem strategischen Prozess mit Unterstützung der Landesregierung Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg auf ein höchstmögliches Niveau zu entwickeln. Es sollen Arbeitsgruppen zu einzelnen Themenfeldern eingerichtet werden.

Veränderungsprozess mitgestalten

„Die immer schneller voranschreitende Vernetzung und Digitalisierung, aber auch Auswirkungen des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels, des Technologiewandels oder auch zunehmende Unsicherheiten im freien Welthandel, bringen extreme Veränderungen in der Gesellschaft und der Wirtschaft mit sich. Dieser Veränderungsprozess soll uns nicht überraschen. Wir wollen ihn mitgestalten. Das ist existenziell für die Zukunft des Gesundheitsstandortes Baden-Württemberg“, unterstrich Kretschmann. Insbesondere in der Hochtechnologieforschung, im Medizintechnik- und Pharmabereich, in der personalisierten Medizin, in der Telemedizin, der Diagnostik, der sektorenübergreifenden Versorgung und in der zukunftsorientierten Nachwuchssicherung sehe er im Land große Chancen, wenn die Herausforderungen aktiv angenommen würden. „Denn in fast allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft haben wir eine hervorragende Ausgangsposition, um Baden-Württemberg in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, so der Ministerpräsident weiter. „Mir ist dabei wichtig, dass die Arbeitsstruktur des langfristig angelegten Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg sehr effizient ist. Über die Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe ist gewährleistet, dass die in den fachlichen Arbeitsgruppen erarbeiteten Lösungsansätze auch zügig und koordiniert umgesetzt werden können.“

Themenfeld Forschung

„Medizinische Forschung ermöglicht zunehmend präzisere und individualisierte Lösungsansätze für die Entwicklung neuer Diagnoseverfahren und Therapien. Mit Hilfe intelligenter Datenverarbeitung gelingen große Fortschritte, die den Patientinnen und Patienten unmittelbar zu Gute kommen. Die Voraussetzungen in Baden-Württemberg sind bestens, um ‚Smart Data‘ in der Medizin noch effektiver einsetzen zu können. Wir wollen diese Potenziale tatkräftig nutzen für die Forschung in unseren Universitätsklinika und Forschungseinrichtungen. Die Resultate kommen in unseren gesamten Gesundheitseinrichtungen zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger zum Einsatz“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

„Zu viele gute Behandlungsansätze schaffen es nicht oder nur sehr langsam vom Labor bis zum Patienten. Der enge Austausch und ein gemeinsames Wirken von Grundlagenforschung, klinischer Anwendung und der Industrie sind essenziell, damit zügig verbesserte Verfahren für die Gesundheit der Menschen entstehen können. Forschungseinrichtungen wie das Universitätsklinikum Heidelberg stehen bereit, um ihren Beitrag zu leisten. Politik und Wirtschaft sind jedoch gefordert, um gemeinsam mit der Wissenschaft die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg.

Themenfeld Wirtschaft

„Die Gesundheitswirtschaft bietet als mögliche Leitbranche des 21. Jahrhunderts enorme Chancen für die ökonomische Zukunft Baden-Württembergs. Mit über 50 Milliarden Euro Wertschöpfung und rund einer Million Erwerbstätigen ist sie die größte Branche im Land. Die industrielle Gesundheitswirtschaft hat dabei mit rund einem Drittel den größten Anteil im bundesweiten Vergleich. Zudem ist Baden-Württemberg Spitzenreiter beim Export von Gesundheitsgütern. Die Wachstumspotentiale müssen wir daher in voller Breite angehen: durch das Stärken von Innovationen der industriellen Gesundheitswirtschaft wie Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie auf der einen Seite. Auf der anderen Seite bei den Gesundheitsdienstleistungen und in den unterstützenden strategischen Dienstleistungen wie spezifische IT-Dienste, Forschungs-, Test- und Zulassungsservices oder Organisations- und Managementberatungen. Unsere Studie zum Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg hat diese Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotentiale klar aufgezeigt“, sagte Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

„Ich sehe die große Chance künftiger Entwicklungen der Gesundheitswirtschaft wie zum Beispiel personalisierte Medizin darin, dass gesehen wird, dass jeder Mensch einzigartig und jede Erkrankung anders ist und damit auch individualisiert behandelt werden muss. Ich verspreche mir durch artifizielle Intelligenz in der Verarbeitung großer Datenmengen wie genetische Daten oder Bilddaten zukünftig viel Unterstützung und auch Kosteneinsparungen, so dass ich als Arzt wieder viel mehr ärztlich tätig sein kann und meine Zeit mit dem Patienten verbringen kann, so Dr. Dr. Saskia Biskup, Fachärztin für Humangenetik, Geschäftsführerin CeGat GmbH, Tübingen.

Themenfeld Versorgung

Nach den Worten von Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha hat der Gesundheits- und Pflegestandort Baden-Württemberg nicht nur eine wirtschaftlich starke, sondern auch eine zentrale gesundheitspolitische Bedeutung.

„So sind wir beispielsweise Pharmastandort Nummer 1 in Deutschland. Wir tragen damit zu einer sehr guten Arzneimittelversorgung der Menschen bei, und zwar weit über unsere Landesgrenzen hinaus. Als Gesundheitsminister ist es mir wichtig, dass unsere Gesundheitswirtschaft weiterhin gute Bedingungen vorfindet. Wenn wir den Menschen hier im Land auch in Zukunft eine gute medizinische und pflegerische Versorgung bieten wollen, muss der Gesundheitsstandort Baden-Württemberg ein starker Standort bleiben“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. Wichtig hierfür seien die richtigen Rahmenbedingungen beispielsweise für den Bereich der Digitalisierung oder Personalisierten Medizin, aber auch für den Arzneimittel- und Medizinproduktebereich. „Hier sehe ich große Wachstumschancen. Deshalb begrüße ich es sehr, dass wir uns heute mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft darüber austauschen, wie wir gemeinsam die Weichen richtig stellen“, so Lucha weiter.

„Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sind für die Versorgung unerlässlich. Sie tragen den Löwenanteil an Behandlungen und gewährleisten durch ihre breite Verteilung in der Fläche das hohe Niveau der Versorgung im Land. Dabei stehen wir vor großen Herausforderungen in Baden-Württemberg: Der Mangel an Ärzten und Pflegekräften bedingt neue Versorgungsstrukturen. Die Telemedizin wird neue Formen der Behandlung zwischen Arzt und Patient zulassen. Große Hoffnungen setzen wir auf die Digitalisierung. Landesregierung, niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten samt ihrer Körperschaften arbeiten gemeinsam in vielen Initiativen eng zusammen. Wir bündeln die Kräfte und schaffen so die Voraussetzung, um weiterhin eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung anzubieten“, sagte Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).

Forum Gesundheitsstandort BW: Gemeinsame Erklärung (PDF)

Forum Gesundheitsstandort BW: Beteiligte Institutionen (PDF)

Mediathek: Bilder zum Herunterladen

Weitere Meldungen

Ein Arzt hält in einem Behandlungszimmer in seiner Praxis in Deizisau im Landkreis Esslingen ein Stethoskop in der Hand, mit der anderen Hand bedient er eine Computertastatur. (Bild: dpa)
Gesundheitsreform

Nachbesserungen bei Krankenversicherung-Reform gefordert

ILA 2026
Luft- und Raumfahrt

Land setzt Zeichen für Innovation und Technologie

Logo von Start up BW
Gründungsprogramm

Starthilfe für junge Unternehmen

Ein Mitarbeiter montiert im Porsche Werk in Stuttgart-Zuffenhausen eine Vorderachse mit Elektromotor. (Foto: © dpa)
Automobilindustrie

Wirtschaftsministerin fordert Anpassungen bei EU-CO₂-Regulierung

Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten am Nonnenbach in Bad Saulgau im Ortsteil Moosheim einen Damm mit Sandsäcken gegen das Hochwasser.
Klimawandel

Land rüstet sich für Extremwasserereignisse

Wasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas.
Bodenverunreinigungen

1,2 Millionen Euro für PFAS-Forschung

German Expo Pavilion / Hotaka Matsumura - German Pavilion - to download, click on "high-res download"
Kreislaufwirtschaft

Expo-Ausstellung aus Osaka kommt nach Stuttgart

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Anzeige nach der Karenzzeitregelung

Innenminister Manuel Hagel (Mitte) besucht das Reutlinger Umspannwerk, in dem es in der Nacht gebrannt hatte.
Stromausfall

Ermittlungen nach Brand in Reutlinger Umspannwerk

Ministerpräsident Cem Özdemir spricht während des BMDS-Akademiegesprächs „Staatsmodernisierung mit Wirkung“.
Staatsmodernisierung

Schulterschluss für weniger Bürokratie

Das Bild ist in vier orangefarbene Kacheln unterteilt. Jede Kachel beinhaltet eine Empfehlung zum Umgang mit großer Hitze. Kachel eins: In der Mittagshitze Schatten aufsuchen und große Anstrengungen möglichst meiden. Kachel zwei: Ausreichend trinken, zum Beispiel Wasser oder Saftschorle. Koffein und Alkohol meiden. Kachel drei: Leichte Baumwollkleidung in hellen Farben tragen. Sonnenbrille und Mütze oder Hut aufsetzen. Kachel vier: Auf Menschen achten, die die Empfehlungen nicht selbst umsetzen können und ihnen helfen. Im Zentrum des Bildes ist ein Kreis in dem eine Sonne strahlt. Ein Thermometer zeigt eine Temperatur von 40 Grad Celsius.
Gesundheitsschutz

Wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird

Eine Mitarbeiterin eines Pharmahändlers bestückt in Stuttgart-Münster in Baden-Württemberg eine Kommissioniermaschine.
Wirtschaft

Investitionen in Pharmaindustrie wandern ab

Eine Frau arbeitet von zu Hause aus. (Bild: dpa)
Unternehmensgründungen

Pilotprojekt „Schneller Gründen“ gestartet

Organspendeausweis
Organspende

Zahl der Organspenden im Land steigt leicht

Eine asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sitzt auf einem Finger und sticht zu.
Gesundheitsschutz

Stechmückensaison hat begonnen