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Rassismus
  • 29.05.2018

„Man darf sich nicht zum Opfer machen lassen“

  • Der Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus Michael Blume im Gespräch mit Regina Lahm und Philipp Awounou. Die beiden sind zum Ziel einer rassistischen Hetzkampagne im Netz geworden (Bild: © Staatsministerium Baden-Württemberg).

    Bild: © Staatsministerium Baden-Württemberg

Eigentlich kann es jedem passieren, dass er oder sie Ziel von Hass und Hetze im Internet wird. Was machen, wenn plötzlich gefühlt das ganze Netz gegen einen ist. Philipp Awounou und seiner Freundin Regina Lahm ist genau das passiert. Sie haben sich gegen die Angriffe gewehrt und den Dialog gesucht.

Shitstorms, Hass und Hetze – das sind Phänomene denen Personen des öffentlichen Lebens wohl täglich im Netz ausgesetzt sind. Doch auch Privatpersonen trifft es immer wieder. Wie soll man reagieren und wer kann einem helfen, wenn es über einen selbst hereinbricht? Darüber hat der Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus Michael Blume mit Philipp Awounou und Regina Lahm bei einem Gespräch im Staatsministerium diskutiert.

Philipp Awounou und Regina Lahm standen unvermittelt mitten in einem Ansturm aus Hass und Hetze. Die beiden waren auf einem Werbeplakat einer Krankenkasse zu sehen. Im Netz wurde das Motiv als Beleg für eine vermeintliche Überfremdung oder gar „Umvolkung“ gedeutet. Plötzlich standen Awounou und Lahm im Fokus einer geifernden Netzaufmerksamkeit.

Angreifer offensiv zur Rede stellen

„Ich habe früh die Entscheidung getroffen, die Sache nicht so stehen zu lassen“, sagt Awounou im Gespräch. Er habe nicht nur Kommentatorinnen und Kommentatoren angeschrieben und wollte von ihnen wissen, warum sie sich zu dem Bildmotiv rassistisch äußerten. Vom Betreiber einer Facebookseite wollte er wissen, warum zwar alle relativierenden Kommentare von der Seite verschwinden, die rassistischen aber stehen bleiben.

Wichtig sei ihm im Nachhinein, so Awounou, dass er nicht in die Opferrolle gedrängt werde. Das habe sie auch an der Berichterstattung über ihren Fall teilweise gestört, sagen die beiden. „Wir hatten die Kraft, uns dem Ansturm zu stellen. Dabei wird aber allzu oft vergessen, dass andere in einer solchen Situation vielleicht nicht wissen, was sie machen sollen. Auch wir wussten nicht, an wen man sich in einem solchen Fall wenden kann“, konstatiert Awounou.

„Mir ist es vor allem wichtig, jetzt erstmal viel zuzuhören“, sagte Michael Blume, „durch das Internet erleben wir nicht nur in Deutschland eine zunehmende Polarisierung und ein Erstarken radikaler und auch menschenverachtender Ansichten. Daher wollen wir verstehen, wie wir Menschen, die sich antisemitischer, rassistischer oder sonstigen menschenverachtender Angriffe ausgesetzt sehen, unterstützen können.“ Blume zeigte sich beeindruckt von der Stärke, mit der beide auf die Angriffe reagiert haben.

Ein Ergebnis des Gesprächs war, dass man Hass und Hetze im Netz nicht das Feld überlassen darf und denjenigen zur Seite steht, die menschenverachtenden Angriffen ausgesetzt sind. Awounou warnte aber davor alle über einen Kamm zu scheren. Angriffe auf ihn und seine Freundin kamen aus allen Teilen der Gesellschaft. „‚Die und wir‘-Schemata tragen nur dazu bei, dass die Konflikte noch tiefer und die Polarisierung noch stärker wird.“ Allerdings habe die Solidarität nicht nur durch Freunde und Familie, sondern auch durch viele Bürgerinnen und Bürger mit Zivilcourage deutlich überwogen.

Staatsministerium: Der Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus

Quelle: /red


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