Veranstaltungen „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Im Rahmen des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ finden in Baden-Württemberg im Jahr 2021 eine Reihe von Veranstaltungen und Projekten statt. In Kooperation mit den beiden Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg hat das Staatsministerium die nachfolgende Übersicht zusammengestellt.

    • Braunsbach

    Jüdischer Kulturweg

    Braunsbach ist eine der zwölf Stationen auf dem „Jüdischen Kulturweg Hohenlohe-Tauber“. Im Ort führt der Weg zu neun Stationen, unter anderem zur ehemaligen Synagoge, zum jüdischen Friedhof, zum Rabbinatsmuseum und weiteren Zeugnissen der jüdischen Geschichte im Ort. Der Weg ist circa drei Kilometer lang. Er kann als Rundweg mit beliebigem Anfang gegangen werden; Dauer circa 60 Minuten. Markierungsschilder mit dem Symbol einer blauen Menora auf weißem Grund kennzeichnen seinen Verlauf.

     

    RabbinatsMuseum Braunsbach: Jüdischer Kulturweg

    • RabbinatsMuseum Braunsbach

    Literarisches Fenster

    Mit der Aufklärung, mit Moses Mendelssohn, beginnt die deutsch-jüdische Literaturgeschichte. Die Aufgabe der jüdischen Kultur und die Angleichung an die deutsche Kultur wurde im 18. Jahrhundert. als Emanzipation verstanden. Mit der fortschreitenden Integration der Juden in die deutsche Kultur steigt ihr Anteil an der modernen deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Durch den zunehmenden Antisemitismus bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer Selbstbesinnung. In der Exilsituation werden jüdische Autoren auf das Schicksal der Diaspora-Existenz zurückgeworfen. Heute konzentrieren sich viele jüdische Schriftsteller auf die Erfahrung der Shoa und die allgemeinen Forderungen, die aus dieser Katastrophe der Menschheit moralisch, politisch und literarisch zu ziehen sind. Das „Literarische Fenster“ im Rabbinatsmuseum Braunsbach, von außen zugänglich, stellt im monatlichen Wechsel deutsche jüdische Schriftsteller mit Ausschnitten aus ihren Werken vor.

     

    RabbinatsMuseum Braunsbach: Jüdischer Kulturweg

    • Schwäbisch Gmünd, Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik

    Lechaim – Auf das Leben! Kidduschbecher und andere Judaica aus Gmünder Produktion

    Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine 2019 getätigte Neuerwerbung für die museale Judaica-Sammlung: ein Kidduschbecher, hergestellt um 1900 in der Gmünder Firma Wilhelm Binder für den US-amerikanischen Markt. Die Exportgeschichte des Bechers wirft allgemein ein Schlaglicht auf die weltweiten Exportwege von jüdischem Kultgerät, das seit dem 18. Jahrhundert in Schwäbisch Gmünd produziert wird. Judaica aus dem eigenen Sammlungsbestand nebst Leihgaben beleuchten diese spannende Geschichte.

     

    Veranstalter: Museum und Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd

    • Stuttgart, Stadtarchiv

    Ausstellung: Bloch & Guggenheimer – Stuttgarter Bauten und jüdisches Leben

    1909 begründeten die Architekten Oscar Bloch und Ernst Guggenheimer ein Architekturbüro, das sich zu einer bekannten Adresse für jüdische Bauherren entwickelte. Der Baustil der Architekten ist seit 1927 durch die Hinwendung zum Funktionalismus der Neuen Sachlichkeit gekennzeichnet, wie er in der Weißenhofsiedlung seinen Ausdruck fand. Nach 1933 in ihrer Berufsausübung stark eingeschränkt, entwarfen die Architekten unter anderem Pläne für die Jüdische Schule.
    Bloch starb 1937 in Stuttgart, Guggenheimer musste sich als Bautagelöhner und Friedhofsgärtner durchschlagen und überlebte die Shoa zuletzt in einem Versteck. Er begründete 1945 ein neues Büro und errichtete 1949-1952 die neue Stuttgarter Synagoge auf den Grundmauern des 1 zerstörten Vorgängerbaus.
    Die Ausstellung stellt Stuttgarter Bauten vor im Kontext der Geschichte der Stuttgarter jüdischen Gemeinde.

     

    Veranstalter: Stadtarchiv Stuttgart

    • Karlsruhe

    Kunstprojekt der GEDOK Karlsruhe: #closebutnobanana – Jüdisches Leben in Karlsruhe heute

    „Close – but no banana“ meint so viel wie „knapp daneben ist auch vorbei“ und bezieht sich auf unzureichende Kenntnisse der Bevölkerung über jüdisches Leben in Karlsruhe heute. 5 GEDOK-Künstlerinnen, Karlsruhe, reflektieren ihre Wahrnehmung, um mit künstlerischen Mitteln den offenen gesellschaftlichen Dialog zu fördern. Durch individuelle Textvisualisierungen, spielerische Performances und narrative Installationen im öffentlichen Raum kann Unbefangenheit und Selbstverständlichkeit möglich werden.

     

    Nähere Informationen und Termine:
    Close – but no banana
    GEDOK Karlsruhe Künstlerinnenforum

    • Esslingen

    PODIUM Soundwalk zum jüdischen Leben in Esslingen

    Entlang sieben historischer und gegenwärtiger Orte jüdischen Wirkens entsteht ein musikalischer Parcours durch Esslingen. Sieben Kompositionen basierend auf Recherchen vor Ort bilden ein Mosaik aus vergangenen Geschichten und heutigen Themen. Der Soundwalk wird im Rahmen des PODIUM Festivals 2021 eröffnet und kann ab dann über den ganzen Sommer und Herbst hinweg individuell begangen werden. Alles was man dafür braucht ist ein Smartphone und Kopfhörer.

     

    Weitere Informationen

    • Krippen-Museum Oberstadion

    Kunstausstellung mit Führungen: Marlis E. Glaser: „Gegen Antisemitismus – gegen das Vergessen“

    „Abraham aber pflanzte einen Tamariskenbaum“


    Das 2005 begonnene Kunstprojekt von Marlis E. Glaser umfasst mehr als 200 Portrait-Zeichnungen und Gemälde. Ein Teil dieser Bilder sind nun zu sehen und werden durch Führungen der Künstlerin (Termine siehe Homepage) begleitet.

     

    Krippen-Museum Oberstadion: Sonderausstellung mit Führungen

     

    • Stadtbibliothek Heilbronn im K3

    Vortrag: Heinrich von Kleist und das Judentum seiner Zeit

    Referent: Ingo Breuer

     

    Heinrich von Kleists (1777–1811) Verhältnis zum Judentum ist ähnlich rätselhaft wie sein übriges Leben und Schreiben. So hat er sich in seinen Werken und Briefen an keiner Stelle explizit über das Judentum, über Jüdinnen und Juden geäußert. Allerdings fällt auf, dass ein zeitweise derart militant anmutender patriotischer Dichter im Gegensatz zu einigen berühmten Schriftstellerkolleg*innen in seinen Werken keine antisemitischen Klischees bedient, sondern z. B. Gotthold Ephraim Lessing, vor „Nathan der Weise“, positiv zitiert. Trotzdem bleibt seine Position äußerst ambivalent. Der Vortrag beleuchtet dieses spannungsvolle Verhältnis und wirft auch einen kurzen Blick auf Kleist als eine Art Identifikationsfigur unter jüdischen Intellektuellen im 19. und 20. Jahrhundert.

     

    Veranstalter: Literaturhaus Heilbronn

    • Schriesheim, Rathaus

    Vorstellung neuer Ausstellungsvitrinen im Rathaus: „Jüdisches Leben in Schriesheim“

    Seit 2006 waren im Historischen Rathaus Gegenstände zum Jüdischen Leben als Teil des Gedächtnisses der Stadt in zwei Vitrinen ausgestellt, die die Öffentlichkeit jedoch nur selten anschauen konnte. Nun wurden die Objekte als Beitrag der Stadt Schriesheim zum jüdischen Jubiläumsjahr in das Rathaus überführt, um die kostbaren Gegenstände der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. Da in dieser Woche das siebentägige, jüdische Laubhüttenfest Sukkot, ein Erntedankfest, gefeiert wird, wird diese Gelegenheit wahrgenommen, die Vitrinen am neuen Standort vorzustellen.

    • Reutlingen

    Interreligiöses Chorlabor mit TRIMUM – Die vielen Stimmen Davids

    Eine wachsende Gruppe von Sänger*innen aus jüdischen, christlichen und muslimischen Musiker*innen trifft sich seit über 10 Jahren regelmäßig zum "interreligiösen Chorlabor". Gemeinsam singen Juden, Christen und Muslime (und in Reutlingen Baha´i).

     

    TRIMUM ist ein europaweit einmaliges interreligiöses und interdisziplinäres Gemeinschaftsprojekt. Jüdische, christliche und muslimische Musikerinnen und Musiker, Theologinnen und Kantoren, Wissenschaftlerinnen und Komponisten entwickeln gemeinsam Konzepte und Veranstaltungsformate für ein friedliches und konstruktives Miteinander der Religionen. In unseren Modellprojekten, Konzerten, Workshops und regelmäßigen Chorangeboten werden Fremdheitsgefühle abgebaut, Horizonte erweitert, Differenzen und Unterschiede wertschätzend zum Klingen.

     

    Weitere Informationen und Anmeldung

Hinweis: Corona-bedingt sind bei den einzelnen Veranstaltungen Änderungen im Termin, Format und Ablauf möglich. Informationen dazu erhalten Sie direkt bei den Veranstaltern.

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