Elektromobilität

Wegweisendes Pilotprojekt für E-Lastkraftwagen

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Die Erprobung des Betriebs von E-Lastkraftwagen im Murgtal ist eines von drei Pilotprojekten des Bundes, bei denen die Oberleitungstechnik in der Praxis getestet wird.

Aktuelle Studien des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) zur Einführung von Oberleitungs-Lastkraftwagen (LKW) in Deutschland und des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO unterstreichen die Notwendigkeit der Oberleitungstechnologie als wichtigen Beitrag zu einem effektiven Klimaschutz. Dem im Murgtal geplanten Pilotprojekt „eWayBW“ kommt dabei aufgrund des Tests der Technologie an einer Bundesstraße entscheidende Bedeutung zu. Die Studien heben insbesondere den signifikanten Klimavorteil hervor, den Oberleitungs-LKW bereits im Jahr 2025 gegenüber Diesel-LKW erreichen und bestätigen einen betriebswirtschaftlichen Kostenvorteil. Ob der Ausbau der Oberleitungsinfrastruktur eine Option im Verkehrssektor ist, muss in Pilotprojekten erprobt werden.

Die Erprobung des Betriebs von E-LKW im baden-württembergischen Murgtal ist eines von drei Pilotprojekten des Bundes, bei denen die Oberleitungstechnik bei Lkw in der Praxis getestet wird. Dafür erhält Baden-Württemberg beträchtliche Fördermittel des Bundes. Die beiden anderen Pilotvorhaben sind in Schleswig-Holstein und Hessen angesiedelt.

Pilotprojekt im Murgtal ist bundesweit bedeutsam

Verkehrsminister Winfried Hermann nimmt die Bedenken der Menschen vor Ort ernst: „Wir wissen, dass das Pilotprojekt im Murgtal vorübergehend mit Einschränkungen für die Menschen vor Ort verbunden ist. Es ist aber auch eine Chance, an einem innovativen Forschungsprojekt mitzuwirken, dessen Erkenntnisse bundesweit bedeutsam sind. Das Forschungsprojekt ist wegweisend für die mögliche Einführung eines Oberleitungs-Basisnetzes in Deutschland. Es ist dringend notwendig, gerade im Straßenverkehr den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu senken – insbesondere, weil der Ausbau der Schiene nicht so schnell vorankommt, wie man im Rheintal sehen kann. Auch mit Blick auf den weiteren Anstieg des Güterverkehrsaufkommens brauchen wir dringend neben der Schiene klimafreundlichen Verkehr auf der Straße. Auch in absehbarer Zeit wird mehr als die Hälfte der wirtschaftlich notwendigen Güterverkehrsleistung auf der Straße abgewickelt werden. Umso dringender sind funktionierende Alternativen zum bisher dominierenden Diesel-LKW notwendig. Deshalb wollen wir alle Möglichkeiten fördern und erproben, die helfen, Emissionen einzusparen. Hierbei ist das Murgtal für das Land ein wichtiger Partner. Wir werden zusammen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe alles tun, die Beeinträchtigungen während der Bauphase so gering wie möglich zu halten.“

Angesichts des hohen Handlungsdrucks, Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, unterstreichen die Studie des ifeu und die Studie des Fraunhofer IAO die Notwendigkeit, marktnahe Technologien wie Oberleitungs-Lkw frühzeitig und in größerem Stil sowie möglichst realitätsnah zu erproben, um wichtige Praxiserfahrungen zu sammeln.

„eWayBW“ untersucht Nah- und Regionalverkehr

Mit seinen engen Kurven, unterschiedlichen Straßenradien und mehreren Kreuzungsbereichen an der B 462 bei Gaggenau verfügt das Murgtal über besondere Voraussetzungen, um die Oberleitungstechnik auch in schwierigem Gelände zu erproben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoffen sich wertvolle Erkenntnisse darüber, wie die Oberleitungstechnik auch in bergigen und kurvigen Regionen Deutschlands angewendet werden kann.

Die Pilotprojekte in Schleswig-Holstein und Hessen beschäftigen sich mit dem Güterfernverkehr auf Autobahnen. Beim Projekt „eWayBW“ in Baden-Württemberg hingegen wird der Nah- und Regionalverkehr untersucht. Dadurch besitzt „eWayBW“ ein Alleinstellungsmerkmal und ist für die Forschung besonders interessant, da es die Pilotprojekte auf Autobahnen sinnvoll ergänzt.

Keine Umleitungsstrecken im Murgtal notwendig

Auf die von den Rathäusern und einzelnen politischen Akteuren im Murgtal geäußerte Kritik an der „eWayBW“-Teststrecke im Murgtal entgegnete der Verkehrsminister: „Es wird immer wieder behauptet, dass während des Baus eine Vollsperrung der B 462 erforderlich wäre. Dies ist nicht der Fall! Der Bauablauf wird in jedem Fall so aussehen, dass auf der B 462 dauerhaft ein Fahrstreifen in jeder Fahrtrichtung zur Verfügung steht. Der Verkehr verbleibt damit planmäßig auf der B 462, Umleitungsstrecken müssen nicht ausgewiesen werden. Lediglich in den Spitzenstunden und insbesondere in den ersten Tagen nach der Baustelleneinrichtung kann es im Bereich der Spurreduzierung zu einzelnen Staus kommen. Uns ist sehr wohl bewusst, dass eine Baustelle über einen so langen Zeitraum auf einer stark befahrenen Straße wie der B 462 zu Beeinträchtigungen führt. Gemeinsam mit den Behörden vor Ort bemühen wir uns deshalb sehr, die Bauzeit zu verkürzen. Die Erprobung der Oberleitungstechnik mit dem Projekt leistet einen wichtigen Beitrag, der diesen Eingriff in den Verkehr rechtfertigt.“

Oberleitungs-LKW als Hybrid mit Batterietechnik stellen eine effiziente Möglichkeit der Stromnutzung im Güterfernverkehr dar. Aus diesem Grund hat das Bundesumweltministerium dieses Forschungsvorhaben initiiert. Hermann sagte: „Für unser Land ist es wichtig, bei dieser Zukunftsentwicklung des Bundes eine entscheidende Rolle zu spielen. Gerade für ein so wirtschaftsstarkes Land wie Baden-Württemberg mit seiner Vielzahl an Weltmarktführern im Bereich des Motor- und Fahrzeugbaus ist es entscheidend, auch weiterhin ganz vorn dabei zu sein und Innovationen voranzutreiben.“

Zahl der E-LKW wird sich insgesamt erhöhen

Die Oberleitungstechnik für LKW befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase. Auch die Nutzung von Elektroantrieben in schweren Nutzfahrzeugen ist momentan noch nicht so weit entwickelt wie bei Personenkraftwagen (PKW). Das Problem liegt im hohen Energiebedarf für die Leistung und Reichweite von E-LKW, der ohne Oberleitungen aufwändige, schwere und kostspielige Energiespeicher im Fahrzeug erforderlich machen würde. Dementsprechend ist die Zahl an LKW, die mit Elektromotor ausgestattet sind, aktuell noch gering. Die Zahl der Fahrzeuge wird sich jedoch in den kommenden Jahren erhöhen. Im Rahmen der Pilotprojekte ist zunächst eine eingeschränkte Zahl an Fahrzeugen vorgesehen. Deshalb können nicht zu jeder Zeit Fahrzeuge auf den Pilotstrecken angetroffen werden.

Oberleitungs-LKW können die hohe Energieeffizienz von Elektrofahrzeugen erreichen, ohne deren typischen Nachteil einer rein batteriebedingten CO2-intensiven Fahrzeugherstellung in Kauf nehmen müssen. Der vergleichsweise geringe Materialaufwand wirkt sich auch auf die Kostenbilanz aus: Laut der Studie des ifeu rechnet sich ein Hybrid-LKW mit Stromabnehmer im Jahr 2030 bereits dann, wenn lediglich ein Drittel der jeweiligen Strecke unter Oberleitung zurückgelegt wird.

Auch wenn der Bau der Oberleitungsinfrastruktur noch ansteht, befindet sich das Land mitten in der Durchführung von „eWayBW“. Seit mehr als zwei Jahren treibt das Verkehrsministerium mit allen beteiligten Projektpartnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Forschung das Pilotprojekt voran.

Verkehrsministerium: „eWayBW“

Institut für Energie- und Umweltforschung: Studie zur Einführung von Oberleitungs-LKW in Deutschland

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation: Studie zum Potenzial eines Oberleitungs-LKW-Systems

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