Ländlicher Raum

Studie zur Bedeutung mittlerer Städte im ländlichen Raum vorgestellt

Das beschauliche Dorf Hiltensweiler, ein Teilort von Tettnang, wird von der Abendsonne angestrahlt. Im Hintergrund sind der Bodensee und die Alpen zu sehen. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)

Eine vom Land geförderte Studie zur strukturellen Bedeutung mittlerer Städte im ländlichen Raum wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Mittlere Städte im ländlichen Raum nehmen in vielen Bereichen eine wichtige Versorgungsfunktion für ihr Umland wahr.

„Die abgrenzende Gegenüberstellung von Stadt und Land ist gerade bei uns in Baden-Württemberg schon lange hinfällig. Landleben und Urbanität gehen zusammen, wenn sie sich wie bei uns gleichermaßen harmonisch weiterentwickeln. Dies zeigen insbesondere die fünfzig leistungsstarken ländlichen Mittelstädte, die wir in einer Studie zu deren strukturellen Bedeutung näher untersucht haben“, sagte der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich einer Online-Tagung zur Vorstellung der Studie „Die strukturelle Bedeutung mittlerer Städte für die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums von Baden-Württemberg“. Die Studie wurde vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund erstellt und vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz finanziell gefördert.

Im Rahmen der Studie wurden die Strukturdaten von insgesamt fünfzig mittleren Städten im ländlichen Raum untersucht, die im Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum ausgewiesen sind und die eine Größe von 100.000 Einwohnern nicht überschreiten. Es wurde herausgearbeitet, dass diese Städte für ihr Umland wichtige Versorgungsfunktionen übernehmen, etwa in den Bereichen Bildung, Arbeit und Verkehr. Jedoch wurde auch deutlich, dass Städte dieser Größenordnung nicht die gesamte Palette an wünschenswerter Infrastruktur anbieten können. Die Studie schlägt daher vor, noch stärker regional zu denken und sich über funktionale Arbeitsteilungen zwischen größeren und kleineren Kommunen der Umgebung abzustimmen. Davon könne die gesamte Region profitieren. „Die breit angelegten Datensätze der Studie zeigen uns, dass der ländliche Raum mit seinen Dörfern und mittleren Städten wirklich alles bietet, was man zum Leben braucht“, so Minister Hauk.

Zusätzlich zum Datenteil werden die sechs Städte Crailsheim, Eppingen, Künzelsau, Lahr/Schwarzwald, Leutkirch im Allgäu und Waldshut-Tiengen in vertiefenden Fallstudien dargestellt. „Das sind Best Practice-Beispiele von der Praxis für die Praxis. Ich bin begeistert von der Vielfalt unserer Städte im ländlichen Raum. Diese Vielfalt zeigt aber auch ganz klar, dass es hier kein Patentrezept gibt, das man von oben verordnen könnte. Wir als Land fördern daher immer die Ideen und das Engagement, das direkt vor Ort entsteht. Aus diesem Grund ist es uns ebenfalls sehr wichtig, einen breiten Dialogprozess über die Studienergebnisse anzustoßen“, unterstrich Hauk.

Einladung zu weiterer Diskussion über die Studienergebnisse

„Das sind sehr wertvolle Impulse. Die Fallbeispiele zeigen auf, wie interkommunale Zusammenarbeit konkret gelingen kann. Größere und kleinere Kommunen sollten nicht im Widerspruch und in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern sich funktional ergänzen. Nur mit einer solchen regionalen Zusammenarbeit wird die Zukunft des ländlichen Raums gelingen“, betont Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg.

Minister Peter Hauk lud alle Kommunen und kommunalpolitisch Interessierten dazu ein, sich an der weiteren Diskussion über die Studienergebnisse zu beteiligen. „Das ist ein offener Prozess. Die Publikation liegt fertig vor, aber die weitere Arbeit mit den Ergebnissen hat gerade erst begonnen. Ich freue mich über jeden einzelnen Impuls“, so Hauk.

Drei weitere Online-Veranstaltungen zur Studie folgen im Jahr 2022. Anmeldungen sind über die Webseite der Akademie Ländlicher Raum möglich.

Präsentation der Studie in drei weiteren Online-Veranstaltungen 2022

Die Studie „Die strukturelle Bedeutung mittlerer Städte für die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums von Baden-Württemberg“ wurde im November 2021 durch das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund veröffentlicht und vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz finanziell gefördert. Sie steht auf der Webseite des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz zum kostenlosen Download (PDF) zur Verfügung.

Ausgangspunkt des Forschungsprojektes bildete eine jüngere Debatte zur Dorf-, Stadt- und Regionalentwicklung, wonach mittleren Städten eine besondere Rolle als Stabilitätsanker und Wachstumsmotor in ländlichen Räumen zugesprochen wird. Die Studie arbeitet daher heraus, welche strukturelle Bedeutung mittlere Städte für die Entwicklung ländlicher Räume in Baden-Württemberg aufweisen und welche Handlungsempfehlungen sich für die Förderpraxis des Landes ergeben.

Die Studie wurde am 29. November 2021 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Drei weitere Veranstaltungen finden im ersten Quartal 2022 als Online-Format statt. Anmeldungen sind über die Webseite der Akademie Ländlicher Raum möglich.

Ein Teller mit Grünkernsuppe, daneben Wurst. Darüber liegt ein Schriftzug: „Kulinarische Spurensuche 2022: Ein virtuelles Stelldichein mit geschützten Originalen aus Baden-Württemberg.“ sowie den Siegeln „geschützte geografische Angabe“ und „geschützte Ursprungsbezeichnung“
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