Automobilwirtschaft

Lenkungsrat des Transformationsrats diskutiert Green Deal

Ein Mitarbeiter montiert im Porsche Werk in Stuttgart-Zuffenhausen eine Vorderachse mit Elektromotor. (Foto: © dpa)

Schwerpunkt der letzten Sitzung des Lenkungskreises des landesweiten Transformationsrats Automobilwirtschaft war die Kohlenstoffdioxid-Regulierung auf Ebene der Europäischen Union mit Blick auf den Green Deal.

Der Lenkungskreis des landesweiten Transformationsrats Automobilwirtschaft tagte in der vergangenen Woche unter Leitung von Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut sowie den Co-Vorsitzenden Wilfried Porth von der Daimler AG und Detlev von Platen von der Porsche AG coronabedingt virtuell. Schwerpunkt der Sitzung war die Kohlenstoffdioxid-Regulierung auf Ebene der Europäischen Union (EU) mit Blick auf den Green Deal.

Noch stärker auf Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien setzen

„Die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. Wenn wir die Klimaschutzziele im Verkehrssektor erreichen wollen, benötigen wir einen zielorientierten Ansatz unter Nutzung aller Potenziale der verschiedenen Antriebstechnologien. Vor allem im Schwerlastverkehr auf unseren Straßen, im Schiffs- und im Luftverkehr müssen wir künftig noch stärker auf Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien setzen“, sagte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Die Betrachtung der Potenziale synthetischer Kraftstoffe als Ergänzung zur Elektromobilität und der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ist ein wichtiger Baustein des Transformationsrats.

„Um Wertschöpfung und Beschäftigung in Baden-Württemberg langfristig sichern zu können, bedarf es der richtigen Voraussetzungen, damit unsere Produktionsstandorte im internationalen Wettbewerb bestehen können. Dazu zählen auch die richtigen klimapolitischen Weichenstellungen durch die Politik. Grenzwerte sind zur Erreichung der Klimaschutzziele unabdingbar und gewährleisten als Zielmarke und regulatorischen Rahmen Planungssicherheit für die Automobilindustrie und die Politik. Europa sollte in diesem Sinne eine ambitionierte Fortschreibung der CO2-Flottengrenzwertregulierung umsetzen, hierbei aber Wirtschaft und Gesellschaft nicht überfordern“, so die Ministerin weiter „Der bisherige Zeithorizont bis 2030 der aktuellen Regulierung hatte sichergestellt, dass sich Industrie und Gesellschaft darauf einstellen können und die Ziele realisierbar blieben. Das enorme Entwicklungstempo im Bereich der Technologien, Mobilitätslösungen und der zunehmenden Vernetzung macht, wie bereits durch die Revisionsklausel in der zugehörigen Verordnung vorgesehen, ein regelmäßiges Nachjustieren der Grenzwerte erforderlich. Hierbei ist aber wichtig, dass die vereinbarten Eckpfeiler nicht kurzfristig verschärft werden können, da dies die Branche sowie die Gesellschaft, die durch Corona ohnehin gerade extrem unter Druck steht, überfordern würde“, sagte Hoffmeister-Kraut.

Gemeinsamer Dialog mit allen Stakeholdern

Das Zwischenziel der CO2-Flottengrenzwertregulierung für 2025 sollte aus Sicht von Hoffmeister-Kraut daher fixiert bleiben. Vielmehr gelte es nun in einem gemeinsamen Dialog mit allen Stakeholdern analog zum Transformationsrat Automobilwirtschaft den Zielwert für 2030 neu zu definieren und Rahmenbedingungen, Instrumente und Förderprogramme zu gestalten, welche es ermöglichen, diese sehr ambitionierten Ziele für 2030 auch erreichen zu können, ohne dass kurz-, mittel- und langfristig die Beschäftigung im Land gefährdet werde. „Von der Automobilindustrie sind in Europa, Deutschland und speziell in Baden-Württemberg viele Arbeitsplätze direkt und indirekt abhängig. Die Transformation des Verkehrsbereichs darf deshalb nicht nur ökologische, sondern sie muss auch ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen“, so Hoffmeister-Kraut weiter.

Detlev von Platen, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Porsche, sagte: „Die ambitionierten Ziele der EU können wir als Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nur gemeinsam erreichen. Der Strategiedialog Baden-Württemberg ist daher eine gute Plattform, um auch dieses Thema anzupacken. Porsche steht auch in Corona-Zeiten klar zu den Zielen des Pariser Klima-Abkommens, Nachhaltigkeit sehen wir als unternehmerische Verpflichtung. Bis 2025 investieren wir 15 Milliarden Euro in die Elektromobilität, digitale Transformation und nachhaltige Produktion. Auch bei der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen planen wir, uns zu engagieren. Es ist jedoch wichtig, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft. Für den Hochlauf der Elektromobilität, den Ausbau flächendeckender Ladeinfrastruktur und die Digitalisierung. Zudem erachten wir Anreize zur Industrialisierung ergänzender Technologien wie eFuels als sehr sinnvoll.“

Wilfried Porth, Vorstandsmitglied der Daimler AG. Personal und Arbeitsdirektor: „Die Transformation der Automobilbranche ist im vollem Gange: Bei Daimler legen wir den Fokus zunehmend auf Elektrifizierung und Digitalisierung, getreu dem Motto ‚Electric First‘, um einen weiteren Schritt Richtung CO2 -Neutralität zu machen. Wir wollen das Auto und die individuelle Mobilität noch nachhaltiger, noch digitaler machen. Gleichzeitig legt die EU-Kommission neue Klimaziele vor, die einen Elektrifizierungsgrad von rund 60 Prozent in der europäischen Neuwagenflotte vorsehen. Wir glauben, dass solch ambitionierte Ziele grundsätzlich erreichbar sind. Dafür benötigen wir aber verbindliche Rahmenbedingungen und einige weitere Voraussetzungen, wie einen EU-weiten schnellen und flächendeckenden Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur und eine verstärkte Förderung der Batteriezellen-Produktion in der EU. Ich bin überzeugt, wenn Industrie, Politik und alle Beteiligten Hand in Hand zusammenarbeiten, dann wird uns der Transformationsprozess gelingen.“

Strategiedialog Automobilwirtschaft

Der Strategiedialog Automobilwirtschaft (SDA) der Landesregierung erfolgt auf Arbeitsebene in sieben strategischen Themenfeldern. Themenfelder 1 und 2 sind zugleich die Handlungsfelder des Transformationsrates Automobilwirtschaft Baden-Württemberg unter der Leitung der Wirtschaftsministerin. Themenfeld 1 beinhaltet die Bereiche Forschung und Entwicklung, Produktion und Zulieferer. Themenfeld 2 umfasst den Vertrieb und Aftersales.

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