RADVERKEHR

Erster Radschnellweg des Landes freigegeben

Radfahrer fahren auf dem neuen Radschnellweg zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart (Bild: © picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart können Radfahrer künftig auf acht Kilometern ohne Stress und Stau unterwegs sein. Der erste Radschnellweg Baden-Württembergs wurde durch Verkehrsminister Winfried Hermann freigegeben.

Der erste Radschnellweg in Baden-Württemberg zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart ist seit Freitag für den Radverkehr freigegeben. Die acht Kilometer lange Strecke ist eine schnelle und schöne Route für Pendler, aber auch für alle anderen Radfahrerinnen und Radfahrer, um ohne Stress und Stau unterwegs zu sein.

Gute Fördermöglichkeiten bei Bund und Land

Der erste Radschnellweg in Baden-Württemberg ist seit Freitag für den Radverkehr freigegeben. Die acht Kilometer lange Strecke zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart ist eine schnelle und schöne Route für Pendler, aber auch für alle anderen Radfahrerinnen und Radfahrer, um ohne Stress und Stau unterwegs zu sein. „Mithilfe von Radschnellwegen erhoffen wir uns auf den hochbelasteten Pendlerstrecken eine deutliche Verkehrsverlagerung vom Auto auf das Fahrrad. Das ist ein aktiver Beitrag zur Verringerung der täglichen Staus und zur Luftreinhaltung. Für eine klima- und umweltschonende Mobilität in Baden-Württemberg und besonders hier in der Region Stuttgart ist das ein wichtiger Meilenstein. Daher bin ich dem Landkreis Böblingen und den Städten Böblingen und Sindelfingen sehr dankbar, dass sie hier frühzeitig die Initiative ergriffen und den Radschnellweg realisiert haben. Das haben wir gerne gefördert“, so Verkehrsminister Winfried Hermann

Im Rahmen eines Festaktes wurde der Radschnellweg von Verkehrsminister Hermann, vom Landrat des Landkreises Böblingen, Roland Bernhard, von den Oberbürgermeistern der Städte Böblingen und Sindelfingen, Dr. Stefan Belz und Dr. Bernd Vöhringer sowie Vertreterinnen und Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e. V. (ADFC) in Betrieb genommen. Landrat Bernhard zeigte sich hocherfreut, den neuen Radschnellweg freigeben zu können. „Mit der Eröffnung des Radschnellwegs setzen wir heute ein wichtiges Zeichen in Richtung nachhaltiger Mobilität der Zukunft. Für uns ist dieser Abschnitt aber erst der Anfang“, so Bernhard. „Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürger viel Freude auf dem neuen Radschnellweg und ein rücksichtsvolles (Fahr-)Verhalten Aller, damit die Nutzung des Wegs für alle ein Genuss sein kann.“

Vorreiter bei der nachhaltigen Mobilität

Infrastrukturell habe der Landkreis die Basis geschaffen. Man habe aber auch, über dieses Bauprojekt hinaus, im Rahmen der Machbarkeitsstudie die Verlängerung des Radschnellwegs und weitere Korridore fest im Blick. „Wir meinen es ernst im Landkreis Böblingen mit dem Radverkehr als zentralem Bestandteil einer nachhaltigen Mobilität“, betonte Roland Bernhard. „Dazu gehen wir auch gerne voran.“

Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz betonte: „Wir sind sehr erfreut über die heutige Einweihung des ersten Radschnellwegs in Baden-Württemberg. Land, Landkreis Böblingen sowie die Städte Böblingen und Sindelfingen sind Pioniere mit dieser Gemeinschaftsleistung! Damit haben Pendler und Freizeitradler ab sofort eine attraktive Alternative: gesundheitsfördernd und umweltschonend, nachhaltig und mit intelligenter Beleuchtung. Umsatteln lohnt sich also! Wir erarbeiten zudem Lösungen, um den Radschnellweg durch Böblingen fortzuführen und ihn dadurch sinnvoll mit unserer Innenstadt zu verbinden.“

Weitere Strecken folgen

„Ich freue mich, dass es nun möglich ist, noch schneller und sicherer mit dem Rad von und nach Stuttgart zu kommen – das ist ein wichtiger Aspekt für einen zukunftsfähigen Mobilitätsmix. Die Einweihung des Radschnellwegs ist ein guter Einstieg und mit der Machbarkeitsstudie gehen wir im Landkreis einen entscheidenden Schritt hin zum Ausbau weiterer Achsen und somit zu einem Radschnellwegenetz.

Um darüber hinaus das Radfahren weiter zu fördern, arbeiten wir in Sindelfingen daran, noch fahrradfreundlicher zu werden. Hierfür haben wir ein Radverkehrskonzept beschlossen, das wir nun schrittweise umsetzen. Wir werden insgesamt 10 städtische Routen und Achsen ausbauen und so ein neues Radwegenetz schaffen. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist auch die Anbindung des Radschnellwegs an die Innenstadt“, so der Sindelfinger Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer.

Gute Fördermöglichkeiten bei Bund und Land

Nach den Worten von Verkehrsminister Hermann hat nun die Weiterführung des Radschnellwegs höchste Priorität: „Wenn man mit dem Radschnellweg auch die großen Arbeitsplatzschwerpunkte und die Innenstädte sowohl in Böblingen und Sindelfingen als auch in Stuttgart erreicht, werden viele Radlerinnen und Radler ihn benutzen. Daher hoffe ich, dass der Landkreis und die Städte mit ihrem Engagement nicht nachlassen und daran arbeiten, dass der Radschnellweg weitergeführt wird. Denn für die weitere Planung und den Bau von Radschnellwegen gibt es aktuell attraktive Fördermöglichkeiten aus Mitteln des Bundes und vom Land in Höhe von 80 Prozent und mehr. Da die Mittel begehrt sind, sollten hier zügig Förderanträge gestellt werden.“ In den vom Land geförderten Machbarkeitsstudien des Landeskreises Böblingen und der Landeshauptstadt Stuttgart wird aktuell untersucht, wie der Radschnellweg weitergeführt werden kann.

Kennzeichnung als Radschnellweg

Als Radschnellweg ist der neue Abschnitt in besonderer Weise gekennzeichnet: Eine weiße Randmarkierung mit grünem Begleitstrich sowie ein Fahrradpiktogramm kennzeichnen den Radschnellweg als solchen. Neben dem Radverkehr wird der zwischen vier und sieben Meter breite Weg als Mischverkehrsfläche auch weiterhin vom Fußverkehr sowie von Fahrzeugen der Kampfmittelbeseitigung, Anwohnern, der Forstwirtschaft und weiteren Anliegern genutzt. Auf Teilen der bisher gepflasterten Römerstraße wurde zusätzlich ein wasser-gebundener Weg als Angebot für die Fußgängerinnen und Fußgänger angelegt und zudem ein Fußgängerangebotsstreifen gestrichelt markiert. Der öffentliche Straßenabschnitt zwischen Panzerstraße (K1057) und AWO Waldheim wurde als Fahrradstraße mit Anlieger und Forstverkehr frei ausgewiesen. Auch hier darf auf dem Rad von nun an nebeneinander gefahren werden. Autos und Motorräder müssen sich dem Tempo des Radverkehrs anpassen. Als Höchstgeschwindigkeit gilt Tempo 30 wie auch auf den restlichen Abschnitten des Musberger Sträßles und der Römerstraße.

Streckenverlauf des Bauabschnitts

Aus Richtung Stuttgart beginnt der rund 8 Kilometer lange Abschnitt hinter einer Fuß- und Radwegbrücke über die Autobahn A 8 bei Stuttgart-Rohr und verläuft anschließend auf der neu ausgebauten und asphaltierten Römerstraße beziehungsweise dem Musberger Sträßle bis nach Böblingen und Sindelfingen. Aus Gründen des Denkmalschutzes wurde ein ca. 80 Meter langer Abschnitt unmittelbar an der Fußgängerbrücke über die A 8 im alten Zustand mit Pflasterbelag beibehalten. Auch der bisher schon asphaltierte Abschnitt der Römerstraße wurde saniert und im Kreuzungsbereich Römerstraße/Waldburgstraße/K1057 eine neue Querungshilfe gebaut. Das Land hat die Baumaßnahme mit rund einer Million Euro nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gefördert. Um während der dunklen Jahreszeit den Pendlerinnen und Pendlern im Wald eine sichere Verbindung zu gewährleisten, hat das Land zusätzlich für rund 820.000 Euro eine durchgehende Beleuchtung aus Sondermitteln für Radschnellverbindungen gefördert. Zur Reduktion der Lichtemissionen und des Strombedarfs schaltet sich die innovative Beleuchtung dynamisch mittels Bewegungssensoren je nach Bedarf ein und aus.

Zusätzliche Informationen zu Radschnellwegen

Radschnellwege sind qualitativ hochwertige, direkt geführte und leistungsstarke Radverkehrsverbindungen zwischen Kreisen und Kommunen. Radschnellverbindungen zeichnen sich aus durch:

  • Gesamtstrecke: mind. 5,0 km
  • Verbindung zwischen großen Kommunen
  • bedeutende Verbindung für Alltagsradverkehr (durchschnittlich mehr als 2.000 Radfahrende in 24h auf überwiegendem Teil der Gesamtstrecke)

Radschnellwege sind aufgrund direkter, umwegefreier Führungen mit wenigen Stopps und großer Breiten besonders attraktiv gerade auch auf längeren Distanzen. Sie haben daher insbesondere im Hinblick auf die steigende Nutzung von E-Bikes und Pedelecs großes Potenzial, um Hauptverkehrsachsen auf Straße und Schiene zu entlasten, Staus zu vermeiden und zur Luftreinhaltung beizutragen.

Bei Radschnellwegen wird die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit dadurch erhöht, dass durch kreuzungsfreie oder bevorrechtigte Führungen die Radfahrerinnen und Radfahrer an Kreuzungen weniger anhalten und warten müssen. Die absolute Fahrgeschwindigkeit ändert sich dabei in der Regel nicht.

Weitere geplante Radschnellverbindungen im Südwesten

Drei Pilotstrecken des Landes befinden sich bereits in der Planung: Heidelberg – Mannheim, Heilbronn – Bad Wimpfen und Plochingen – Esslingen – Stuttgart. Darüber hinaus hat das Land Anfang Mai 2019 angekündigt, welche weiteren Strecken in Baulastträgerschaft des Landes als Radschnellwege geplant und gebaut werden sollen. In Südbaden handelt es sich um die Strecken Freiburg – Waldkirch und Freiburg – Emmendingen. In Nordbaden sind es die Routen Karlsruhe – Ettlingen und Karlsruhe – Rastatt. Ob im Raum Tübingen zusätzlich eine Verbindung beispielsweise zwischen Tübingen und Reutlingen durch das Land geplant und gebaut werden kann, muss noch durch ein entsprechendes Nutzerpotenzial nachgewiesen werden. Insgesamt wurden auf Basis von Machbarkeitsstudien und der landesweiten Potenzialanalyse 16 Korridore identifiziert, die grundsätzlich in der Baulast des Landes liegen. Weitere 37 Korridore sind voraussichtlich in der Baulast der Kreise und Kommunen. Durch die Vorlage weiterer Machbarkeitsuntersuchungen oder im Rahmen des weiteren Planungsverfahrens kann sich die Zuständigkeit der Strecken noch ändern.

Informationsportal zur Radverkehrsförderung: Radschnellverbindungen

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