Ländlicher Raum

Erreichbarkeitsmodell nimmt Formen an

Das beschauliche Dorf Hiltensweiler, ein Teilort von Tettnang, wird von der Abendsonne angestrahlt. Im Hintergrund sind der Bodensee und die Alpen zu sehen. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)

Das Projekt „Erreichbarkeitssicherung im Ländlichen Raum“ schreitet voran. Für das Erreichbarkeitsmodell wurden bereits 17.000 Standorte der Daseinsvorsorge und das komplette Verkehrsnetz für Rad, öffentlichen Verkehr und Personenkraftwagen aufgenommen.

„Im Januar 2020 fiel in Balingen der offizielle Startschuss für das Projekt ‚Erreichbarkeitssicherung im Ländlichen Raum‘, mit dem wir die Kommunen im Ländlichen Raum bei Standortplanungen unterstützen möchten. Seitdem ist einiges passiert und es konnten bereits große Fortschritte erzielt werden, über die wir heute informieren möchten“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk in Sigmaringen am Rande einer Videokonferenz zum aktuellen Stand des Projekts „Erreichbarkeitssicherung im Ländlichen Raum“.

Projekt fußt auf einer enormen Datenbasis

„Die Erreichbarkeit ist gut, wenn es eine ausreichende Anzahl von Standorten der Daseinsvorsorge gibt und die Wegezeiten kurz sind. Um Aussagen zur Erreichbarkeit machen zu können, haben wir im Projekt in drei Landkreisen rund 17.000 Standorte der Daseinsvorsorge erfasst und das komplette Verkehrsnetz für Rad, öffentlichen Verkehr und Personenkraftwagen aufgenommen“, so Prof. Dr.-Ing. Markus Friedrich vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart, der mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts betraut ist.

„Diese riesige Menge an erfassten Daten hat natürlich an sich schon einen enormen Wert. Werden große Datenmengen zudem in einem Modell zusammengeführt, wie es hier passiert, so spricht man auch von einem ‚digitalen Zwilling‘, der einem hilft, verschiedene Herausforderungen objektiv und mit einer fundierten Datenbasis angehen zu können. In diesem Fall ist die Herausforderung, der sich das Land stellt, die Sicherung der Erreichbarkeit in unseren ländlichen Regionen“, betonte Minister Hauk.

„Aufbauend auf diesem Modell wird parallel auch an einer möglichen Web-Version gearbeitet. Wie wir heute bereits mit einer Demoversion zeigen konnten, wird diese zwar einen verringerten Funktionsumfang haben, jedoch durch eine größere Benutzerfreundlichkeit und eine einfachere Handhabung mehr Anwenderinnen und Anwender ansprechen“, ergänzte Dr. Volker Waßmuth, der das Projekt von Seiten der PTV Group leitet.

Teilnehmende Landkreise bringen sich intensiv ein

Seit dem Start im Januar 2020 bringen sich die teilnehmenden Modell-Landkreise Sigmaringen, Tuttlingen und der Zollernalbkreis insbesondere bei der Datenbeschaffung und -evaluation intensiv ein. „Wir unterstützen das Land sehr gerne bei diesem wegweisenden Projekt. Die bisherigen Ergebnisse und die breite Palette an Einsatzmöglichkeiten bei Standortplanungen auf Kreis- und Gemeindeeben machen mich sehr zuversichtlich, dass wir so einen wesentlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge im Ländlichen Raum leisten können“, sagte die Landrätin des Landkreises Sigmaringen Stefanie Bürkle.

„Für die bislang schon so tatkräftige Unterstützung danke ich den Verantwortlichen in den Modell-Landkreisen sehr. Nachdem wir die erforderliche Datenbasis geschaffen haben und die Teilmodelle stehen, gilt es nun, das eigentliche Simulationsmodell an den Start zu bringen und dies gemeinsam mit unseren Modell-Landkreisen praktisch zu erproben. Wesentliches Ziel ist es hierbei, die kommunalen Prozesse zu identifizieren, welche wir mit dem Planungswerkzeug zur Erreichbarkeitssicherung gezielt unterstützen können und diese bewusst bei den weiteren Entwicklungsschritten mitzudenken. Auch hierbei sind die Landkreise unsere wichtigsten Partner“, so Minister Hauk abschließend.

Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes

Beim Projekt ‚Erreichbarkeitssicherung im Ländlichen Raum‘ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz handelt es sich um ein Vorhaben im Rahmen der Digitalisierungsstrategie digital@bw des Landes Baden-Württemberg. Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung: Mehr als 1,5 Milliarden Euro werden in dieser Legislaturperiode in die Digitalisierung investiert, über eine Milliarde Euro davon in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Erstmals werden alle Vorhaben unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt. Mit „digital@bw“ wurde im Sommer 2017 die erste landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt. Zurzeit werden dazu über 70 ganz konkrete Projekte mit einem Volumen von mehr als 400 Millionen Euro umgesetzt, um Baden-Württemberg als Leitregion des digitalen Wandels in Europa zu stärken.

Das Projekt ‚Erreichbarkeitssicherung im Ländlichen Raum‘ ist hierbei Teil des Schwerpunktthemas ‚Die Zukunft von Kommunen und Verwaltung ist digital‘, in das sich weitere Digitalisierungsprojekte des Landes einreihen.

  • Gebietskulisse: Landkreise Sigmaringen, Tuttlingen und Zollernalbkreis
  • Projektvolumen: rund 900.000 Euro
  • Projektabschluss: voraussichtlich Ende 2021

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Ländlicher Raum in Baden-Württemberg

Pressemitteilung vom 23. Januar 2020: Projekt „Erreichbarkeits­sicherung im Ländlichen Raum“ startet

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