Corona-Impfung

Dialog mit Sozialverbänden zur Impfung schwer erreichbarer Gruppen

Ein Senior wird von einer medizinischen Fachkraft mit dem Pfizer-BioNTech-COVID-19-Impfstoff im Kreisimpfzentrum geimpft.

Das Sozialministerium hat in einer Dialogveranstaltung mit Sozialverbänden die Frage erörtert, wie bestimmte gesellschaftliche Gruppen bei der Corona-Impfung besser erreicht werden können. Die Impfquoten in den Stadt- und Landkreisen unterscheiden sich teilweise deutlich.

Der Landesimpfgipfel läutete am 16. April eine neue Phase der Impfkampagne in Baden-Württemberg ein und bildete gleichzeitig den Auftakt zu einer Reihe von Dialogveranstaltungen des Ministeriums für Soziales und Integration mit unterschiedlichen Akteuren. Am Montagabend, 3. Mai, hat das Ministerium die Sozialverbände sowie die Interessenvertretungen impfberechtigter Menschen zu einer Dialogveranstaltung eingeladen. Dabei ging es auch um die Frage, wie bestimmte gesellschaftliche Gruppen noch besser erreicht werden können – und um mehr Transparenz bei den landesweiten Impfzahlen. Erstmals veröffentlicht das Land auf die Bewohner der Kreise heruntergebrochene Impfquoten (PDF).

Impfkampagne erreicht sozial schlechter Gestellte noch zu wenig

„Noch ist der Impfstoff knapp. Deshalb konzentrieren wird uns bei den Impfungen in den kommenden Wochen weiter auf die besonders schützenswerten Personengruppen und deshalb gilt bis auf Weiteres auch die Priorisierung. Unser Ziel ist, im Sommer jedem Erwachsenen in Baden-Württemberg ein Impfangebot machen zu können. Die Zahlen zeigen, dass wir unter den Impfberechtigten bisher bestimmte Gruppen sehr gut erreichen, andere nicht oder fast nicht“, sagte der Amtschef des Ministeriums, Prof. Uwe Lahl, nach der Dialogveranstaltung.

„Auch in Baden-Württemberg zeigt sich: Gerade sozial schlechter Gestellte erreicht die Impfkampagne noch zu wenig. Das nehmen wir sehr ernst, und das hat uns der heutige Dialog noch einmal sehr klar vor Augen geführt. Das Gespräch heute war deshalb nur ein erster Schritt. Schon am Mittwoch dieser Woche trifft sich Minister Manne Lucha deshalb mit Migrantenverbänden und Vertreterinnen und Vertretern von Religionsgemeinschaften. Wir bleiben weiter im Gespräch“, so Lahl.  

Impfquoten in Stadtvierteln und Landkreisen unterscheiden sich stark

Der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz berichtete von Erfahrungen in seiner Stadt. Auch in Mannheim werde ein Muster deutlich, das seit einigen Tagen bundesweit diskutiert werde: Stadtteile mit besonderen sozialen Herausforderungen – geringen Einkommen, engen Wohnverhältnissen, Menschen in Berufen, die keine Möglichkeit zum Homeoffice bieten – haben die höchsten Infektionsraten, aber gleichzeitig um den Faktor drei niedrigere Impfquoten. Bei den geimpften über 80-Jährigen fehlten Menschen mit Migrationshintergrund laut einer Auswertung der ersten sechs Impf-Wochen fast völlig – obwohl sie in Mannheim rund 25 Prozent dieser Altersgruppe ausmachen.

Im Rahmen der Dialogveranstaltung veröffentlichte das Sozialministerium erstmals die Impfquoten der Stadt- und Landkreise bezogen auf die jeweiligen Wohnorte der Bürgerinnen und Bürger (ohne Impfungen durch Hausärzte). Sie beruhen auf der Postleitzahlenauswertung der Geimpften, unabhängig davon, wo die Impfung stattfand. Ergebnis: Die Impfquoten sind gerade in Universitätsstädten besonders hoch, teilweise auch im ländlichen Raum, wie etwa im Kreis Emmendingen. Städte mit größeren Bevölkerungsgruppen, die im Durchschnitt vergleichbar schwierigere sozioökonomische Bedingungen aufweisen (Arbeitslosigkeit, Bildungsniveau, et cetera), haben hingegen oft niedrigere Impfquoten. Bevölkerungszahl, Impfstoffmengen, die Frage, ob ein Zentrales Impfzentrum im Stadt- oder Landkreis liegt, sowie die Entfernung zum nächsten Impfzentrum können die großen Unterschiede zwischen den Landkreisen allein nicht erklären. Die Impfzentren arbeiten überall gut und effektiv, werden in den Kreisen mit niedrigen Impfquoten aber offenbar verstärkt von Menschen aus den Nachbarkreisen genutzt. Es ist davon auszugehen, dass Detailauswertungen innerhalb der einzelnen Stadt- und Landkreise ähnliche Ergebnisse bringen wie die in Mannheim, was die Impfquoten in Vierteln mit besonderen sozialen Herausforderungen angehe.

Mannheim hat auf die Auswertung der Impfquoten bereits mit einem Modellprojekt reagiert. Seit gestern werden dort im Stadtteil Hochstätt Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort im Stadtteilzentrum geimpft. Amtschef Lahl lobte das Projekt: „Die Corona-Impfkampagne erreicht manche Teile der Bevölkerung noch nicht ausreichend, das betrifft vor allem Stadtteile mit besonderen sozialen Herausforderungen. Das vorbildhafte Projekt der Stadt Mannheim ist die richtige Antwort darauf, indem Mobile Impfteams direkt in ein Quartier fahren und so niederschwellig das Impfen direkt zu den Menschen bringen.“

Ministerium will Impfbereitschaft stärken: Kommunikation, Vorbilder, Hürden senken

Im Gespräch mit den Podiumsgästen wurde bei der Dialogveranstaltung deutlich, dass Kommunikation, direkte Ansprache und Vorbilder grundsätzlich wichtig sind, um das Impfen voranzubringen, und dass es grundsätzlich darum geht, Hürden zu senken oder auszuräumen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zogen unter anderem wie folgt Bilanz: Unter den derzeit impfberechtigten Menschen – darunter überwiegend Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Vorerkrankungen – komme das Impfen gut voran. Durch die wachsenden Impfstofflieferungen und mit der Möglichkeit, seit Ostern auch beim eigenen Hausarzt geimpft zu werden, habe sich die Situation für viele von ihnen, die noch auf die Impfung warten, deutlich entspannt. Auch unter Pflegekräften, die aufgrund ihrer Arbeit von Anfang an impfberechtigt waren, hätten Gespräche, persönliche Beispiele und Erfahrungsberichte die Impfbereitschaft noch einmal deutlich erhöht. Die Impfquote unter Obdachlosen, die in Wohnheimen und Unterkünften seit einigen Wochen von Mobilen Impfteams geimpft werden können, unterscheide sich ebenfalls deutlich zwischen einzelnen Städten – je nachdem, wie engagiert dort Sozialarbeit betrieben werde, die die Menschen zum Impfen motiviert und darüber aufklärt.

„Der heutige Dialog hat uns sehr gute Ideen und Impulse vermittelt, wie wir beim Thema Impfen auf die Menschen zugehen und Menschen mitnehmen können. Deutlich wurde: Am Wichtigsten sind Kommunikation, Kontakte und Vorbilder. Wir überlegen nun, wie wir das in unserer Impfkampagne noch besser umsetzen können“, so Amtschef Uwe Lahl. 

Erfassung der Impfzahlen

Die Grundgesamtheit aller Impfungen sind die im Dokumentationsprogramm esQlab dokumentierten Impffälle für Baden-Württemberg. Die Fallzahlen der Impfstatistik werden über die Postleitzahl des Geimpften dem jeweiligen Land- oder Stadtkreis zugeordnet. Die Zuordnung der Postleitzahl zu den Landkreisen erfolgt auf Grundlage einer offiziellen Postleitzahlliste mit entsprechender Zuordnung von der Deutschen Post AG. Für wenige Postleitzahlbereiche gibt es dabei gewisse Unsicherheiten, weil diese in zwei oder mehr Landkreisen liegen. Die so ermittelten Fallzahlen pro Land- bzw. Stadtkreis bezieht das Gesundheitsministerium auf den Stand der Bevölkerung im jeweiligen Land- bzw. Stadtkreis vom 31. Dzember 2020. Impfungen der Arztpraxen sind in den ausgewerteten Daten nicht enthalten.

Auf dem digitalen Podium vertreten waren Stephanie Aeffner, Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Prof. Dr. Eckart Hammer, der Vorsitzende des Landesseniorenrats, Joachim Hessler, Referent Pflegeeinrichtungen der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Argyri Paraschaki, Geschäftsführerin des Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg, Wolfgang Sartorius, Vorstand der Erlacher Höhe (Wohnungslosenhilfe), Stefan Kraft, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste, und Beatrix Vogt-Wuchter, Vorsitzende des Liga-Ausschusses Alter und Gesundheit.

Impfungen nach Stadt- und Landkreisen (PDF)

Fragen und Antworten zur Corona-Impfung in Baden-Württemberg

Weitere Informationen zum Coronavirus in Baden-Württemberg

Mit unserem Messenger-Service bekommen Sie immer alle Änderungen und wichtige Informationen aktuell als Pushnachricht auf Ihr Mobiltelefon.

Ein Schlid zur Maskenpflicht hängt in einer Fußgängerzone in Tübingen.
  • Corona-Massnahmen

Sichere Öffnungsschritte bei sinkenden Inzidenzen

Paragraphen-Symbole
  • Corona-Verordnungen

Aktuelle Änderungen der Corona-Verordnungen

Frau in einem Labor zeigt Test für das neue Coronavirus
  • Coronavirus

Infektionen und Todesfälle in Baden-Württemberg

Am deutsch-französischen Grenzübergang Kehl fahren Autos nach Deutschland.
  • Coronavirus

Bund beschließt neue Einreiseverordnung

Aufkleber in Impfpass weist auf Impfung mit dem Impfstoff Moderna hin.
  • Corona-Impfung

Priorisierung in Arztpraxen ab 17. Mai für alle Impfstoffe aufgehoben

Polizist kontrolliert ein Motorrad (Foto: © dpa)
  • Polizei

Bilanz des Aktionswochenendes Motorrad

Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums des Klinikum Stuttgart verabreicht einem Impfling eine Dosis des Impfstoffes Moderna.
  • Corona-Impfung

Gemeinsame Lösung für Impfstoffverteilung an den Impfzentren

Eine Frau trägt eine Alltagsmaske auf einem Bahnsteig (Bild: bwegt)
  • Coronavirus

Infektionsgefahr im Nahverkehr nicht höher als im Individualverkehr

Kinder spielen und tollen auf einer aus Strohballen gebauten Raupe. (Bild: © dpa)
  • Corona-Pandemie

Öffnungsperspektive für die Kinder- und Jugendarbeit

Auf einem Tisch liegen bzw. stehen Spritzen und Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca.
  • Impfungen

Priorisierung für AstraZeneca in Arztpraxen ab sofort aufgehoben

Ausstellung Körper. Blicke. Macht. in der Kunsthalle Baden-Baden
  • Corona-Pandemie

Klare Öffnungsperspektiven für die Kulturszene

Eine Kundin steht in einem Haushaltswarengeschäft in der Wartereihe vor der Kasse.
  • Coronavirus

Fahrplan für Öffnungen bei sinkenden Infektionszahlen

Ein Grundschüler malt an einem Tisch im Wohnzimmer die Buchstaben eines Lockdown Tagebuchs aus.
  • Coronavirus

Online-Jugendhearing „Jugend im Lockdown – Wir hören Dir zu!“ am 15. Mai

Bauarbeiter arbeiten in Heidelberg an einer Neubauwohnung. (Foto: © dpa)
  • Bürokratieabbau

Bauantrag bequem von zu Hause stellen

Rathaus Calw
  • Städtebauförderung

Städtebauliche Erneuerungsmaßnahme „Kernstadt“ in Calw erfolgreich abgeschlossen

Städtebauförderung
  • Städtebauförderung

50 Jahre Städtebauförderung in Baden-Württemberg

Ein Senior wird von einer medizinischen Fachkraft mit dem Pfizer-BioNTech-COVID-19-Impfstoff im Kreisimpfzentrum geimpft.
  • Coronavirus

Land setzt verstärkt auf Corona-Aufklärung und Impfungen vor Ort

Fußballer der Altersklasse U-10 trainieren auf dem Spielfeld in großen Abständen.
  • Corona-Hilfen

Weitere sechs Millionen Euro Soforthilfe für Sportvereine

Blick in den Stadtteil Bahnstadt, Heidelberg
  • Baukultur

Wirtschaftsministerium fördert erneut kommunale Gestaltungsbeiräte

Die Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams zieht in einem Alten- und Pflegeheim den Impfstoff von Biontech/Pfizer in eine Spritze auf.
  • Corona-Impfung

Lösungen für Impfengpass in Ulm gefunden

Schreiner bei der Arbeit
  • Coronavirus

Krisenberatung Corona wird verlängert

Stühle stehen auf Tischen in einem leeren Klassenzimmer einer Realschule.
  • Schule

Kultusministerium informiert über Rückkehr zum Wechselunterricht

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
  • Kunst und Kultur

Land zeichnet Buchhandel mit Gütesiegel „Ausgezeichneter Lesepartner“ aus

Eine Person nimmt bei einem Abendessen während des Fastenmonats Ramadan eine Dattel aus einer von mehreren Essensschalen. Dazu Schriftzüge „Stand und Herausforderungen für die muslimische Krankenhausseelsorge“ und „Veranstaltung der Landesregierung anlässlich des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann“.
  • Ramadan

Austausch zu muslimischer Krankenhausseelsorge