Pressemitteilung

Delegationsreise
  • 27.01.2017

Kretschmann hält Grundsatzrede zur „Zukunft von Energie und Mobilität“

  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält am Indian Institute of Technology Bombay eine Grundsatzrede zur „Zukunft von Energie und Mobilität“

Im Rahmen seiner Delegationsreise nach Indien hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Mumbai am Indian Institute of Technology Bombay eine Grundsatzrede zur „Zukunft von Energie und Mobilität“ gehalten. Wachstum dürfe nicht auf Kosten der Natur gehen, betonte Kretschmann. Ökologie sei auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden.

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Mit diesem Zitat von Mahatma Gandhi begann Ministerpräsident Winfried Kretschmann seine Grundsatzrede in Mumbai am Indian Institute of Technology Bombay (IIT) zur „Zukunft von Energie und Mobilität“. Diese Erkenntnis des indischen Nationalhelden habe ihn damals, Ende der 70er-Jahre, als er aus Sorge um die Natur die Grünen mitbegründet habe, stark inspiriert.

Wirtschaftswachstum ist erfolgreichstes Armutsbekämpfungsprogramm

Seitdem habe sich viel getan. Industrien bemühten sich mittlerweile um saubere Produktion und Unternehmen verdienten gutes Geld im Bereich der Umwelttechnologien. „Die Wirtschaft hat dazu gelernt, aber auch die Grünen: Vor vierzig Jahren glaubten viele von uns, dass der Verzicht auf Wachstum die einzige Lösung ist, um die Umwelt zu schützen. Heute bin ich mir darüber bewusst, wie wichtig Wirtschaftswachstum ist. Es ist das weltweit erfolgreichste Armutsbekämpfungsprogramm“, betonte der Ministerpräsident. 

Dabei, so Kretschmann, dürfe Wachstum jedoch nicht auf Kosten der Natur gehen. Denn wenn die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaften Schaden erleiden würden, „wenn man die Luft nicht mehr atmen, das Wasser nicht mehr trinken kann und das Klima instabil wird, dann haben wir nichts von unserem Wirtschaftswachstum. Dann sind die Armen die ersten, die darunter zu leiden haben.“

,Ja‘ zum Wachstum – ,Nein‘ zur Zerstörung der Erde

„,Ja‘ zum Wachstum, aber ,Nein‘ zur Zerstörung der Erde und unseres Klimas – das ist genau das, was ich mit der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch meine“, erklärte Kretschmann. Dies käme jedoch nicht von selbst, dafür müsse man was tun, sich engagieren. Dies erläuterte er anhand von zwei Feldern.

Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien habe in Deutschland ihren Anfang mit der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl gehabt. Mittlerweile trügen Sonne, Wind und Wasser mit über 30 Prozent zur Energieversorgung bei. Ministerpräsident Kretschmann zeigte sich fasziniert davon, „wie entschlossen Indien auf den Ausbau der Windkraft setzt.“

Energie sparen und ressourcenschonend produzieren

Um die Energiewende weiter voranzubringen, müsse man jedoch mehr machen, als nur auf erneuerbare Energien umzusteigen. Es gehe auch darum, Energie zu sparen und ressourcenschonend zu produzieren. Ein weiterer Punkt, so der Ministerpräsident, betreffe auch einen Schwerpunkt seiner Reise nach Indien: die Smart Cities: „Wir wollen gemeinsam mit unserem Partnerland Maharashtra daran arbeiten, die Hardware unserer Städte – also die Energieversorgung, die Wasserversorgung und die Verkehrsinfrastruktur – mit der Hilfe von Software und Vernetzung intelligenter zu machen.“ Die Partnerstädte Mumbai und Stuttgart sowie Pune und Karlsruhe würden genau an solchen Lösungen arbeiten.

Mobilität muss intelligenter und sauberer werden

Das zweite Feld, das vom Ministerpräsidenten hervorgehoben wurde, war die Mobilität. „Wir leiden unter Staus und haben etwa in der Region Stuttgart kaum Platz für zusätzliche Straßen.“ Deswegen müsse die Mobilität erstens intelligenter und zweitens sauberer werden. „Wir brauchen eine bessere Steuerung und eine bessere Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger.“ Kretschmann ist sich sicher, dass die Digitalisierung hierfür gewaltige Chancen eröffne. So könne das Navigationsgerät in naher Zukunft nicht nur die Route angeben, sondern dem Fahrer auch alternative Wege ohne Auto vorschlagen, ihm Parkplätze am Bahnhof anbieten oder sagen, wann die nächste Bahn komme. Dies und mehr, so Kretschmann, sei eine Entwicklung, die sich in den nächsten zwei Dekaden abspielen werde. Auch würde innerhalb der nächsten zehn Jahre „ein gutes Stück auf dem Weg vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität“ bewältigt werden.

Ökologie ist auch erfolgreiches Geschäftsmodell geworden

Beide Bereiche band Kretschmann in seiner Rede zusammen und erklärte sie zu „den wichtigsten Handlungsfeldern, wenn wir das große Menschheitsthema angehen wollen, das uns in den nächsten 50 Jahren beschäftigen muss: den Klimawandel.“ Natürlich, so Kretschmann, könne ein kleines Land wie Baden-Württemberg rein quantitativ betrachtet wenig ausrichten. „Aber wenn wir zeigen, dass es eine hochindustrialisierte Kernregion wie Baden-Württemberg schaffen kann – dann können es alle schaffen. Darin begreifen wir unsere Verantwortung.“ Die Weichen würden aber in China, in den USA und eben in Indien gestellt. Deshalb seien die Pläne Indiens zur drastischen Senkung der CO2-Emissionen sehr erfreulich. „Und die Tatsache, dass Indien das Pariser Klimaschutzabkommen noch vor der EU ratifiziert hat, war ein sehr wichtiges Signal.“ Der Ministerpräsident zeigte sich dabei zuversichtlich, denn, so Kretschmann, „Ökonomie und Ökologie haben sich im Laufe der Zeit versöhnt. Mehr noch: Ökologie ist zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell geworden.”

Abschottung bremst wirtschaftlichen Wohlstand

Ministerpräsident Kretschmann hob die gute Zusammenarbeit der indischen und baden-württembergischen Universitäten hervor. Diese möchte er ausbauen. Leider, so Kretschmann, erlebten wir derzeit eine Renaissance von Protektionismus und einen Rückzug ins Nationale. Er sei überzeugt davon, dass diese Abschottung den wirtschaftlichen Wohlstand bremse. Deshalb sei umso mehr Kooperation und regelbasierte Zusammenarbeit gefragt. „Das wichtigste Ziel meines Besuchs in Indien ist es, Räume zu schaffen. Räume, in denen die Gedanken die Freiheit bekommen, die sie brauchen, damit neue und zukunftsweisende Ideen entstehen.“

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